Hund pinkelt ins Körbchen: 10 häufige Ursachen & 8 Lösungen 2022

Jeder Welpe braucht ein wenig Zeit, um komplett stubenrein zu werden. Wenn ein Hund allerdings immer wieder seine Schlafgelegenheit mit Urin besudelt, ist das für alle Seiten unangenehm: Wir Menschen ekeln uns, auch das natürliche Hygienebedürfnis der Vierbeiner leidet.

Noch schlimmer wird es, wenn der Hund älter ist und eigentlich stubenrein sein sollte. Dann sind es meistens gesundheitliche Gründe, die dazu führen – sowohl psychische als auch körperliche.

Im folgenden Artikel findest Du die 10 häufigsten Ursachen dafür, dass ein Hund ins Körbchen pinkelt. Weiterhin nenne ich dir 8 Lösungsansätze, die je nach Ursache hilfreich sein können.

Die 10 häufigsten Gründe dafür, dass ein Hund ins Körbchen macht

1. Harnwegsinfektionen & Blasenentzündung

Wenn dein Hund eigentlich stubenrein ist und auf einmal ins Körbchen pinkelt, dann liegt es oft an einer Infektion der Harnwege. Verursacht werden diese fast immer durch Bakterien, unbehandelt folgt generell eine Blasenentzündung bzw. Zystitis.

Diese ist sehr schmerzhaft und führt zu einer zeitweiligen Inkontinenz: Der Hund muss immer wieder kleine Mengen an Wasser lassen, deshalb macht er auch in sein Bett. Typisch hierfür ist zudem eine sehr dunkle Färbung des Urins und ein beißender Geruch, der manchmal an Fisch erinnert.

Ebenfalls weit verbreitet und mit ähnlichen Symptomen einhergehend sind Gebärmutter- und Prostata-Entzündungen. Auch Harnsteine behindern den Urinaltrakt.

2. Gelenkerkrankungen

Auch Erkrankungen des Gelenkapparats können dazu führen, dass der Hund beginnt, ins Körbchen zu pinkeln. Häufig ist der Schlafplatz dann nach längeren Ruhezeiten, also z.B. morgens, besudelt.

Grund hierfür ist, dass der Hund sich nur noch mit Mühe aufrichten kann. Er ist also nicht mehr dazu in der Lage, zeitnah zu stehen und Bescheid zu geben, dass er nach draußen muss – stattdessen verrichtet er sein “Geschäft” im Liegen.

Betroffen sind oft ältere Vierbeiner. Besonders bei größeren Rassen können die Beschwerden aber auch schon vergleichsweise früh auftreten. Zu den häufigsten Krankheitsbildern gehören

  • Arthritis
  • Arthrose und
  • Hüftdysplasie.

3. Hundedemenz

Auch Hunde können von Demenz betroffen sein: Meistens beginnt eine derartige geistige Leistungsabnahme nach dem 8. Lebensjahr. Der Fachbegriff für derartige Veränderungen lautet “Kognitives Dysfunktionssyndrom”, kurz CDS.

CDS ist eine unheilbare Krankheit, die Symptome ähneln der menschlichen Alzheimer-Erkrankung.

Typische Symptome

  • Abnehmende Stubenreinheit
  • Angst, Nervosität & Panikattacken
  • Gestörter Schlafrhythmus, Hund ist oft nachts wach
  • Bezugspersonen & bekannte Abläufe werden nicht mehr wiedererkannt
  • Anbellen von Dingen oder Personen ohne sichtbaren Grund
  • Antriebsloses Verhalten, Hund wirkt apathisch & zurückgezogen
  • Hund hat trotz Mahlzeiten mehr Appetit & bettelt um Futter.

Quelle: VetSpezial Zentrum für Kleinmedizin, Lehrte .

Im fortgeschrittenen Stadium ist ein erkrankter Hund orientierungslos und weiß nicht mehr, wo er sich gerade aufhält. Deshalb uriniert er ohne vorherige Ankündigung und besudelt auch Orte, die er eigentlich sehr schätzt, z.B. seinen Schlafplatz.

4. Territorialverhalten

Das Körbchen sollte als Rückzugsort des Hundes dienen: Es ist so das Zentrum seines Reviers. Sobald der Vierbeiner denkt, dass sein Territorium bedroht ist, kann er aber darauf mit Urin-Duftmarken reagieren.

Häufig ist dies der Fall, wenn mehrere Tiere in einem Haushalt leben und die Rangordnung (noch) ungeklärt ist. Auch Nachbarhunde oder ungewohnte menschliche Bewohner wie Babies, Besuch oder ein neuer Partner können den Vierbeiner verunsichern.

Ebenfalls möglich ist es, dass der Hund ein frisch gewaschenes Hundebett gleich mit Urin besudelt: Er erkennt dann seinen eigenen Geruch nicht mehr wieder und möchte das auf diese Weise korrigieren.

5. Stress & Angst

Eng verwandt mit Territorialverhalten ist Stress und Angst als mögliche Ursache: Fühlt sich der Hund unwohl, werden Hormone ausgeschüttet, die u.a. Hemmungen abbauen und die Körperfunktionen weniger beherrschbar machen.

Wenn der Hund selbst in seinem eigenen Körbchen so reagiert, müssen die Stresslevel schon sehr hoch sein. Typische Gründe umfassen u.a. Trennungsangst, viel Lärm und Trubel um den Schlafplatz herum oder für den Hund unheimliche Gestalten, z.B. unerwarteter Besuch und neue Familienmitglieder.

6. Stoffwechselerkrankungen

Auch Stoffwechselstörungen führen oft dazu, dass der Hund selbst in seinem Körbchen nicht mehr einhalten kann. Tiere, die unter Krankheiten wie Leber-, Nieren- oder Bauchspeicheldrüsen-Versagen leiden, sind häufig Entzündungen ausgesetzt, die bis in die Blase streuen.

Die Folge ist, dass der Hund keine Kontrolle mehr über die Blase hat. Verwandte Erkrankungen, die oft zu Inkontinenz führen, umfassen u.a. Diabetes, Östrogenmangel bei weiblichen Vierbeinern und das Cushing-Syndrom.

7. Hund ist kastriert

Inkontinenz tritt auch häufig bei kastrierten Vierbeinern auf – Hündinnen sind dann deutlich öfter betroffen als Rüden.

Grund dafür ist die hormonelle Umstellung, die bei der operativen Entfernung großer Teile des Reproduktionsapparats forciert wird. So wird beispielsweise das Bindegewebe der Blase geschwächt, der Schließmuskel leidet darunter.

Diese Folge einer Kastration tritt manchmal erst Jahre nach dem Eingriff auf. Typisch hierfür ist, dass das Urin eher tröpfchenweise austritt.

8. “Unfall” oder Fehlstellung der Harnleiter bei Junghunden

Ein nasses Hundebett tritt häufig bei älteren Vierbeinern auf. Es kann aber auch genau umgekehrt sein: Inkontinente Junghunde sind gar nicht mal so selten.

In vielen Fällen liegt das einfach daran, dass das Tier noch nicht so weit ist, wie wir es gerne hätten: Stubenreinheit ist auch bei Hunden ein langer Prozess. “Unfälle” können also auch noch vorkommen, wenn wir eigentlich schon dachten, dass der Vierbeiner alles unter Kontrolle hat.

Es kann aber auch ein körperliches Problem dahinter stecken: Laut einer Studie sind 55 Prozent aller juvenilen Inkontinenzen beim Hund Folge einer Ureterektopie. Das ist eine Fehlstellung der Harnleiter, die dem Tier das Wasserlassen erschwert. Weiterhin tritt auch tröpfchenweise Urin aus.

9. Ungenügender Auslauf

Es kann allerdings auch sein, dass der Hund unterwegs einfach nicht die Zeit gefunden hat, sich zu erleichtern. Das liegt oft am Halter: Er ist dann zu schnell mit dem Vierbeiner um den Block gegangen und hat ihm vielleicht keinen ruhigen Moment gelassen, um einen Platz zum ungestörten Wasserlassen zu finden.

Dazu kann aber auch Stress beitragen: Wenn auf der Gassiroute viele dominante oder aggressive Hunde lauern, kann es passieren, dass das Tier lieber keinen Urin hinterlässt, um nicht unnötig Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Auch in diesem Fall kann es passieren, dass die volle Blase dann im Körbchen entleert wird.

10. Aufregung

Auch Aufregung kann dazu führen, dass der Hund hin und wieder ins Körbchen macht. Typisch ist das bei der Begrüßung, also z.B., wenn Du deinen Schützling morgens weckst.

Das tritt insbesondere im ersten Lebensjahr auf. Manche Hunde urinieren auch “submissiv” – sie wollen damit also ihre Unterwerfung ausdrücken. In den meisten Fällen werden die Vierbeiner mit zunehmender geistiger Reife weniger emotional und pinkeln dann auch seltener aus diesem Grund ins Körbchen.

Hund pinkelt ins Körbchen: 8 Lösungsmöglichkeiten

Wenn der Hund immer wieder ins Körbchen pinkelt, dann musst Du unbedingt etwas unternehmen: Ein von Urin durchsetzter Schlafplatz ist schließlich nicht nur für dich und deine Familie, sondern auch für den Vierbeiner eine Zumutung.

Dabei solltest Du auf jeden Fall bedenken, dass auch der Hund nicht glücklich darüber ist: Schimpfen oder sogar Bestrafungen werden dem Vierbeiner also kaum weiterhelfen. Stattdessen solltest Du konstruktiv vorgehen – dabei könnten dir insbesondere die folgenden 8 Lösungsansätze weiterhelfen.

1. Gang zum Tierarzt

Sollen die Ursachen für das Einnässen im Körbchen körperlich sein, muss häufig ein Tierarzt hinzugezogen werden, um das Problem zu beseitigen. Das hat dann nicht nur hygienische Gründe, viele Vierbeiner haben auch deutliche Schmerzen, wenn sie inkontinent sind.

Beispiele für Gründe, zum Tierarzt zu gehen

  • Fortgeschrittene Blasenentzündung
  • Demenz
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Spätfolgen von Kastrationen (medikamentöse Behandlung möglich)
  • Ureterektopie (korrigierende OP).

2. Verhaltensberatung

In anderen Fällen kann ein Tierarzt nur begrenzt helfen: Sollten die Ursachen für das “Pipi-Verhalten” psychisch sein, setzen viele Halter lieber auf einen Hundeverhaltensberater.

Das betrifft z.B. folgende Ursachen

  • Angst & Stress
  • Territorialverhalten
  • Eifersucht
  • Langeweile & Frust
  • Fehlender, falscher oder ungenügender Auslauf.

Diese Experten analysieren nicht nur das Verhalten des Hundes, sondern auch die Dynamiken zwischen zwei- und vierbeinigen Haushaltsmitgliedern. Mit den anschließenden Tipps verbessert sich dann oft nicht nur die Stubenreinheit schnell, auch andere Konflikte werden dann besser verstanden und gelöst.

Verhaltensberater sind oft speziell geschulte Hundetrainer – es lohnt sich also, in einer Hundeschule nachzufragen. Es gibt allerdings auch Tierpsychologen und andere Experten, die ausschließlich diese Dienste anbieten.

3. Hund viel trinken lassen

Sollte eine Infektion der Harnwege oder sogar eine Blasenentzündung hinter dem nassen Körbchen stecken, hilft vor allem viel Flüssigkeit. Zunächst könnten die “Unfälle” dann zwar ansteigen, mittelfristig scheidet der Vierbeiner so aber die schädlichen Keime aus, welche die Beschwerden verursachen.

Achte also darauf, dass der Wassernapf immer gut gefüllt ist. Sollte das Tier sich weigern, zu trinken, kann es helfen, Trockenfutter einzuweichen oder Leckerli im schwimmenden Napf zu verstecken – so wird der Vierbeiner sozusagen dazu gezwungen, Flüssigkeit aufzunehmen.

4. Das Körbchen gut reinigen

Sobald das Körbchen nass geworden ist, musst Du es auf jeden Fall gut reinigen. Das dient nicht nur der Hygiene, der Hund darf weiterhin nicht das Gefühl bekommen, dass er im Haus auf diese Weise sein Revier markieren darf.

Im Regelfall bedeutet dies, dass Du den Liegebezug abnimmst und gut in der Waschmaschine reinigst. Ist dies nicht möglich, empfiehlt sich das Abwischen mit einem haustierfreundlichen, antibakteriellen und geruchsneutralisierendem Reinigungsmittel.

5. Nahrungsergänzungsmittel & Futteranpassung

In manchen Fällen kann es aber auch hilfreich sein, an der Ernährung zu arbeiten: Manche Ursachen lassen sich gut mit einem Futterwechsel angehen.

Weiterhin können manchmal auch Nahrungsergänzungsmittel helfen: Bei Gelenkleiden haben sich z.B. Zusätze wie Grünlippmuschel oder ein Gelenk-Mix sehr bewährt.

6. Stressfaktoren erkennen & beseitigen

Wenn der Hund ins Körbchen pinkelt, weil er augenscheinlich sehr gestresst ist, hilft es vor allem, die darunterliegenden Faktoren zu beseitigen. Dafür musst Du den Vierbeiner ganz genau beobachten und anhand seiner Reaktionen erkennen, was ihm wahrscheinlich auf die Blase schlägt.

Oft reicht es schon, das Körbchen an einem anderen, ungestörten Ort aufzustellen. Manche Vierbeiner profitieren auch von zusätzlichem Schutz, z.B. durch eine schallisolierte Hundehöhle.

Ansonsten hilft es oft, Lärm und Trubel zu Hause etwas zu reduzieren. Wenn Du z.B. den Fernseher etwas leiser stellst oder nicht ganz so laut Musik hörst, entspannen sich viele Vierbeiner sehr schnell.

7. Hundetoilette

Wenn dein Hund inkontinent ist, kann eine in der Nähe der Schlafangelegenheit aufgestellte Hundetoilette verhindern, dass er ins Körbchen macht. Diese Lösung ist insbesondere für körperliche Ursachen wie Verletzungen und Gelenkprobleme interessant.

Weitere Infos

Worauf es bei diesem Thema ankommt, erfährst Du auch in unserem “Hundetoiletten” Test und Vergleich.

Manche Modelle sind auch darauf ausgelegt, junge Vierbeiner Schritt für Schritt stubenrein zu machen.

8. Hundewindeln

Und manchmal – z.B. bei Kastrations-Folgen oder einer fortgeschrittenen Demenz des Vierbeiners – können auch Hundewindeln eine gute Option sein. Sie lösen das Problem zwar nicht vollständig, verhindern aber, dass der Vierbeiner das Körbchen einnässt.

Mehr zum Thema

Für weitere Infos solltest Du dir auch unseren Artikel zum Thema “Hundewindeln” anschauen.

Windeln sind sowohl als Ein- als auch als Mehrweg-Modelle erhältlich. Weiterhin kannst Du zwischen Varianten speziell für Rüden und speziell für Hündinnen wählen.

FAQs

Warum pinkelt mein Hund ins Kinderzimmer?

Wenn dein Hund bewusst ins Kinderzimmer pinkelt, steckt meistens Eifersucht bzw. übertriebenes Territorialverhalten dahinter. Übermäßig schimpfen solltest Du mit dem Vierbeiner dann nicht, stattdessen ist es ratsam, die beschmutzte Stelle schnell zu reinigen und dem Hund mit gemeinsamen Aktivitäten und viel Liebe das Gefühl zu geben, vollwertiger Teil der Familie zu sein.

Weiterführende Studien

[1]: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0035-1558517
[2]: https://www.vin.com/apputil/content/defaultadv1.aspx?pId=11181&meta=generic&catId=30089&id=3852252&ind=302&objTypeID=17
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Über den Autor Sven Kohler
Über den Autor Sven Kohler

Sven schreibt leidenschaftlich gerne über alles, was seine liebsten haarigen Freunde angeht. Am Herzen liegen ihm dabei Hundeerziehung, -Gesundheit und natürlich -Ernährung- die absolute Grundlage für ein glückliches Hundeleben. Und da es auch eine schier unendliche Anzahl an Zubehör und Spielzeug gibt, macht sich Sven die Mühe und stellt Euch seine liebsten Produkte im Test vor.