Hund sabbert beim Autofahren: Ursachen, Lösungen & Tipps 2022

Wenn Hunde sabbern, können sie eigentlich nichts dafür: Der Körper ist dafür verantwortlich, dass die Speichelproduktion übermäßig angeregt wird. Manche Rassen sind aus genetischen Gründen sehr anfällig dafür, es gibt aber auch Tiere, die nur bei bestimmten Anlässen dazu neigen.

Sehr häufig beginnen eigentlich unauffällige Hunde während Autofahrten damit, sehr stark zu speicheln. Sehr oft liegt das am Stress, dem die Tiere ausgesetzt sind, auch die Reisekrankheit Kinetose ist häufig dafür verantwortlich.

Allerdings gibt es auch noch weitere Gründe, die teilweise sogar Symptom eines lebensgefährlichen Notfalls sein können. Welche diese sind und was Du dagegen tun kannst, erfährst Du in diesem Artikel.

6 Gründe, warum ein Hund im Auto stark speichelt

1. Nervosität & Stress

Viele Hunde mögen Fahrten mit dem Auto überhaupt nicht. Ihnen ist das ungewohnte Gefährt einfach unheimlich, jeder zurückgelegte Kilometer ist dann purer Stress für sie. Besonders Jungtiere und Vierbeiner, die nie an Reisen gewöhnt wurden, sind betroffen.

Dementsprechend sind sie oft schon nervös, bevor der Trip losgeht: Einige Vierbeiner geraten schon ins Zittern und wollen die Flucht ergreifen, sobald wie erahnen, dass es bald losgeht.

Anders als wir Menschen reagieren Hunde auf Nervosität oft mit starker Speichelbildung, sie sabbern also. Weiterhin jaulen oder winseln viele betroffene Tiere.

2. Reisekrankheit

Manche Vierbeiner leiden aber auch unter der sogenannten Reisekrankheit bzw. Kinetose. Diese wird von einer Störung im Innenohr verursacht: Das Gehirn des Hundes kann die Bewegungen des Fahrzeuges nicht richtig einordnen, dem Tier wird vorgegaukelt, dass es aus dem Gleichgewicht gerät.

Tritt auch in anderen Verkehrsmitteln auf

Eine Kinetose tritt besonders häufig im Auto auf, kann aber auch andere Verkehrsmittel betreffen: Viele Hunde reagieren auf Bahnreisen entspannter, da sie nicht ohne Weiteres aus dem Fenster schauen können und moderne Züge sehr laufruhig sind – es gibt aber auch hier “Problemfälle”. Besonders kritisch sind oft Schiffsreisen, denn auch Hunde können seekrank werden.

Betroffene Hunde reagieren oft mit Übelkeit und Verdauungsstörungen wie Brechreiz und manchmal auch Durchfall. Weiterhin schüttet der Körper Stresshormone aus, weswegen viele Tiere beginnen, stark zu sabbern.

Die Reisekrankheit kann jederzeit erstmalig auftreten: Manche Hunde sind über Jahre hinweg gute Passagiere gewesen, bevor ihnen schlecht wird. Es besteht allerdings auch Hoffnung, denn oft gewöhnt sich das Innenohr irgendwann an die ungewohnten Bewegungen.

3. Hitzschlag

In manchen Fällen kann das Sabbern aber auch andere Ursachen haben: Gelegentlich werden Hunde im Auto auch Opfer eines Hitzschlags, aufgrund starker Wärme steigt die Körpertemperatur dann auf bedenkliche Höhen.

Lebensgefährlicher Notfall

Ein Hitzschlag ist immer potentiell lebensgefährlich: Ohne schnelle Stabilisierung droht ein Kreislaufkollaps, der leider nicht selten tödlich endet.

Ein Hitzschlag im Auto tritt häufig im Sommer auf, wenn das Fahrzeug nicht klimatisiert ist. Aber auch an kalten Tagen besteht die Möglichkeit, sofern die Heizung auf Hochtouren läuft.

Betroffene Tiere beginnen oft, stark zu speicheln, gleichzeitig hecheln sie hektisch. Das liegt daran, dass der Hund instinktiv versucht, Flüssigkeit verdampfen zu lassen, wodurch die Körpertemperatur sinkt. Bei starken Hitzschlägen reicht das aber leider oft nicht aus.

4. Dehydrierung

Ebenfalls ist es möglich, dass der Hund nicht genug zu trinken bekommen hat. Das kann insbesondere auf langen Trips schnell vorkommen, denn viele Hundehalter denken, dass die Vierbeiner sich im Auto nicht verausgaben würden und deshalb keinen Flüssigkeitsbedarf hätten.

Das ist aber ein Trugschluss: Insbesondere, wenn das Tier während der Fahrt nervös ist, braucht es viel Wasser. Kriegt er diesen nicht, droht er schnell, auszutrocknen. Instinktiv werden dann die Speicheldrüsen aktiviert, der Hund sabbert dann stark.

Trotzdem dehydriert er dann langsam: Das kannst Du z.B. an faltiger Haut oder blassen Schleimhäuten erkennen.

5. Vergiftungserscheinung

Aber Achtung: Wenn der Hund im Auto plötzlich beginnt, zu sabbern, kann auch eine Vergiftung dahinterstecken. Die Speicheldrüsen werden dann u.a. aktiviert, weil der Körper verzweifelt versucht, die Giftstoffe aus dem Körper hinauszuspülen.

Vergiftungen auf Reisen können aus verschiedenen Gründen auftreten:

  • Einerseits wirken viele Gifte – z.B. Schädlingsbekämpfungsmittel – oft zeitversetzt erst nach mehreren Stunden oder Tagen.
  • Andererseits ist es gut möglich, dass der neugierige Vierbeiner unterwegs ungewohnte Dinge probiert, die giftig sind.
  • In manche Urlaubsregionen sind auch toxische Insektenstiche oder sogar Schlangenbisse möglich.

Weitere Infos

Mehr zum Thema findest Du in unserem Artikel “Vergiftungen beim Hund”.

Starkes Speicheln ist dann aber nicht das einzige Symptom: Betroffene Vierbeiner reagieren oft zudem mit Krampfanfällen, Verdauungsproblemen wie heftigem, blutigem Durchfall und plötzlichem apathischem Verhalten, das in Bewusstlosigkeit abdriften kann.

6. Fremdkörper im Maul

Wenn dein Hund nach einem Zwischenstopp auf einmal beginnt zu sabbern, kann es aber auch sein, dass er während seines Auslaufes vielleicht einen Fremdkörper ins Maul bekommen hat. Meistens handelt es sich dabei um Gräser, Holzsplitter oder kleine Steine.

Diese irritieren den Vierbeiner, mittelfristig können sie auch Entzündungen verursachen. Der Körper weiß dies und versucht, sich zu wehren: Instinktiv aktiviert der Hund die Speicheldrüsen, um den Fremdkörper aus dem Maul zu spülen.

Weitere Gründe

Es gibt natürlich noch viele weitere Gründe, die dazu führen können, dass ein Hund übermäßig sabbert. Diese sind dann aber eher allgemeiner Natur, treten also nicht nur beim Autofahren, sondern auch im Alltag auf.

Mehr hierzu findest Du in unserem Info Artikel zum Thema “Hund speichelt stark”.

Hund sabbert beim Autofahren: 6 bewährte Lösungen

Wie Du siehst, sind die Ursachen für Sabbern bei Autofahrten oft mit der Reise an sich verbunden: In den meisten Fällen handelt es sich um Nervosität oder durch Reisekrankheit verursachte Übelkeit. Gelegentlich stecken aber auch andere, mitunter auf gefährliche, Gründe dahinter.

Aber egal, woher es kommt: Wenn ein Hund plötzlich im Auto sabbert, obwohl er ansonsten nicht dazu neigt, ist das ein Zeichen dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist. Der Vierbeiner fühlt sich also nicht wohl, weshalb Du auf jeden Fall etwas gegen die Ursachen unternehmen musst.

Dabei haben sich insbesondere die folgenden Lösungsstrategien bewährt.

1. Autofahrten so kurz & schmerzlos wie möglich halten

Wenn dein Hund ängstlich auf Autofahrten reagiert oder sogar unter der Reisekrankheit leidet, gilt eine Grundregel: Du solltest Reisen so kurz und schonend wie möglich planen.

Das heißt: Unnötige Autofahrten sind, so weit es geht, zu meiden. Sollte es keine Alternative geben, hilft es, besondere Rücksicht auf den Vierbeiner zu nehmen.

Das bedeutet insbesondere

  • Ruhiger Fahrstil
  • Viele Pausen, damit der Hund sich entspannen kann
  • Beschäftigung, z.B. in Form von Kuscheltieren oder Spielzeug
  • Idealerweise eine Bezugsperson auf dem Rücksitz, der dem Vierbeiner Halt gibt.

Bei schwierigen Vierbeinern lassen sich Reise-Nebeneffekte dann zwar nicht gänzlich vermeiden, oft werden sie aber deutlich gelindert. Gelegentlich ist es mit viel Geduld und Liebe sogar möglich, das Tier auf diese Weise zu einem autofreundlichen Hund “umzuerziehen”.

2. Beruhigungsmittel

Bei Stress und Nervosität schwören viele Hundehalter auch auf Beruhigungsmittel. Lange Zeit bedeutete dies, dass der Vierbeiner für die Autofahrt mehr oder weniger stark betäubt werden musste. Das ist natürlich nicht sehr tierfreundlich und wird 2022 nur noch in extremen Ausnahmefällen praktiziert.

Stattdessen gibt es mittlerweile viele schonende Alternativen. Mittel mit pflanzlichen Wirkstoffen sind auf dem Vormarsch, sie beruhigen den Hund leicht, ohne dass ein sedierender Effekt oder eine Persönlichkeitsveränderung zu beobachten wäre.

Weitere Infos

Mehr zum Thema findest Du auch in unserem “Beruhigungsmittel für Hunde” Test und Vergleich.

Je nach Präparat ist die Einwirkungszeit dieser Tabletten sehr unterschiedlich: Manche helfen schon nach wenigen Stunden, andere sind so gestaltet, dass mit der Gabe bereits Tage vor der Autofahrt begonnen werden muss.

3. Reisetabletten

Sollte dein Hund jedoch unter einer Kinetose leiden, sind wahrscheinlich Reisetabletten die bessere Wahl. Diese Mittel sind vor allem darauf ausgelegt, sowohl Nervosität als auch Übelkeits-Symptome zu bekämpfen.

Tipps & Empfehlungen

In unserem “Reisetabletten für Hunde” Artikel findest Du mehr Infos.

Tierärzte verschreiben hierfür manchmal Antihistaminika, die aufgrund ihrer Nebenwirkungen aber nicht immer empfehlenswert sind. Stattdessen setzen sich auch in diesem Segment immer mehr pflanzliche Mittel mit minimalen unerwünschten Effekten durch.

4. Bequeme & sichere Transportbox

Ebenfalls eine gute Wahl für Hunde, die unter Nervosität oder Kinetose leiden, ist eine Hundetransportbox fürs Auto. Diese bietet gleich mehrere Vorteile auf einmal:

  • Der Hund ist gesichert und kann nicht in den Fahrerraum geraten und zur Gefahr werden.
  • Sofern das Tier im Vorfeld gut an die Box gewöhnt wurde, gibt sie ihm Halt und wirkt wie ein Stück Zuhause unterwegs.
  • Aufgrund der Seitenwände kann der Vierbeiner kaum aus dem Fenster schauen, was die Auswirkungen einer Kinetose oft stark begrenzt.

Die meisten Hundetransportboxen lassen sich auch im Auto verwenden, manche Modelle sind sogar so gestaltet, dass Du sie fest im Kofferraum installieren kannst. Weiterhin gibt es auch Hundebetten für den Kofferraum, die in Verbindung mit einem Trenngitter für Sicherheit und Komfort sorgen können.

Allerdings wird sich das Sabbern nicht immer vermeiden lassen. Damit deine Sitze nicht unnötig in Mitleidenschaft gezogen werden, kann sich bei Hunden, die zu starker Speichelbildung neigen, auch eine Autoschondecke lohnen.

5. Viel zu trinken anbieten

Im Falle einer Dehydrierung oder sogar einem Hitzschlag musst Du die Fahrt sofort unterbrechen und dem Vierbeiner einen schattigen Ruheort mit viel frischer Luft anbieten. Sofort danach musst Du ihm viel zu trinken geben – wenn Du regelmäßig Trinkpausen einlegst, lassen sich diese Probleme oft schon im Vorfeld vermeiden.

Vergiss’ also nie, ausreichend Wasser mitzuführen. Für unterwegs enorm praktisch sind Reisenäpfe, die sich besonders einfach reinigen lassen und in den meisten Fällen platzsparend faltbar sind.

6. Im Zweifelsfall zum Tierarzt

Manchmal ist die Ursache für das plötzliche Sabbern aber auch so schwerwiegend, dass ein lebensgefährlicher medizinischer Notfall besteht. In diesen Fällen darfst Du nicht zögern und musst sofort zum Tierarzt!

Insbesondere mit Hitzschlägen und Vergiftungen ist nicht zu spaßen – ohne schnelle medizinische Hilfe kann das Tier dann schnell sterben.

Vorher anrufen

Auch wenn es schwer fällt: In einer lebensbedrohlichen Situation darfst Du auf keinen Fall in Panik geraten, sondern musst ruhig und konstruktiv bleiben! So ist es auch empfehlenswert, sich vor Ankunft in der Praxis oder Klinik telefonisch anzumelden. So kann sich der Arzt vorbereiten und beispielsweise bereits ein Gegengift heraussuchen – die Überlebenschancen deines Lieblings können so drastisch erhöht werden!

Sollte so etwas in der Nähe deines Hauses auftreten, ist es ratsam, zum Haustierarzt zu gehen. Außerhalb der Sprechzeiten oder unterwegs solltest Du hingegen sofort zum tierärztlichen Notdienst.

FAQs

Kann man einem Hund das Sabbern abgewöhnen?

Wenn ein Hund sabbert, handelt es sich nicht um eine bewusste Handlung, sondern um einen körperlichen Reflex. Abgewöhnen kannst Du ihm diese “Unart” also leider nicht. Allerdings ist es oft möglich, im Vorfeld Maßnahmen zu ergreifen, so dass die Speichelproduktion nicht unnötig angekurbelt wird. Dazu gehören z.B. Stressabbau und Präparate wie pflanzliche Beruhigungs- und Reisetabletten.

Über den Autor Sven Kohler
Über den Autor Sven Kohler

Sven schreibt leidenschaftlich gerne über alles, was seine liebsten haarigen Freunde angeht. Am Herzen liegen ihm dabei Hundeerziehung, -Gesundheit und natürlich -Ernährung- die absolute Grundlage für ein glückliches Hundeleben. Und da es auch eine schier unendliche Anzahl an Zubehör und Spielzeug gibt, macht sich Sven die Mühe und stellt Euch seine liebsten Produkte im Test vor.