Hilfe, mein Hund knurrt beim Streicheln! Gründe & Tipps 2022

Du möchtest mit deinem Hund etwas kuscheln und er beginnt plötzlich, zu knurren? Dann solltest Du auf der Hut sein: In vielen Fällen handelt es sich bei dem Laut nämlich um eine ausdrückliche Warnung des Vierbeiners, dass Du bitte aufhören sollst.

Gelegentlich hat der Hund aber auch andere Absichten. Damit Du weißt, was dahinterstecken kann, findest Du im folgenden Artikel die 11 häufigsten Ursachen, die dazu führen, dass ein Hund knurrt, während er gestreichelt wird.

Die 11 häufigsten Gründe dafür, dass ein Hund beim Streicheln knurrt

1. Hund will “Chef” sein

Wenn ein Hund beim Streicheln knurrt, liegt das oft daran, dass die Rangordnung gestört ist: Der Vierbeiner akzeptiert den Menschen dann nicht als höherstehend, er zeigt mit dem Laut seine Dominanz.

Sehr häufig tritt dies auf, wenn Kinder sich um das Tier kümmern. In manchen Fällen ist aber auch die eigentliche Bezugsperson betroffen. Das ist dann Teil eines größeren Problems, da der Hund seinen Halter nicht als “Alpha-Tier” akzeptiert.

Unterwegs kann das unter Umständen sogar gefährlich werden: Ein zu selbstbewusster und respektloser Hund ist in brenzligen Situationen nur schwer zu kontrollieren, da er Kommandos ignorieren oder sogar gegenüber dem Besitzer aggressiv werden könnte.

2. Verdauungsprobleme

Nein, wenn ich “Verdauungsprobleme” als Grund nenne, meine ich nicht, dass dem Hund der Magen knurrt. Stattdessen kann der Vierbeiner bei der Streicheleinheit nach einer Mahlzeit auch eher bedrohliche Laute von sich geben.

Haben Magen und Darm viel zu tun, kann das für den Hund sehr unangenehm werden. Wird er an der falschen Stelle gekrault, ist es möglich, dass der Abdomen getriggert wird.

Verantwortlich hierfür ist oft schwer verdauliches Hundefutter, auch eine Magenverstimmung oder eine Allergie bzw. Unverträglichkeit kommen als mögliche Ursachen in Betracht. Bei diesn Ursachen sollte sich das Verhalten des Vierbeiners nach einigen Minuten bis Stunden wieder verbessern.

3. Nervosität

Knurren beim Streicheln kann aber auch einen anderen Grund haben: Nervöse Hunde haben häufig keine Lust darauf, verhätschelt zu werden und geben dann mit dem Laut ihre Ablehnung bekannt.

Hauptursache dafür ist dann eine Veränderung des Hormonhaushaltes: Spürt der Vierbeiner Unbehagen, dann stößt das Gehirn automatisch Stresshormone wie Cortisol oder Adrenalin aus, entspannende Hormone wie Serotonin hingegen werden kaum noch produziert.

Der Hund gerät dadurch in die Defensive und möchte nicht mehr gestreichelt werden – deshalb knurren sie.

4. Freude

Manche Hunde knurren aber auch, wenn sie freudig erregt sind. Oft lässt sich dies beobachten, wenn sie ihrem Spieltrieb nachgehen. Der Laut ist dann eher kurz, oft schnappt der Vierbeiner dann auch fröhlich nach dem Finger – richtig beißen will er dann aber nicht.

Im gewissen Sinne handelt es sich dann um ein Missverständnis zwischen Hund und Halter: Der Besitzer möchte den Vierbeiner ganz gemütlich kraulen, das Tier hingegen ist wilder drauf: Es interpretiert die Streichelbewegungen als Spiel.

Ein Hund, der aus Freude knurrt, bewegt sich oft angeregt und reißt gleichzeitig das Maul auf. In vielen Fällen dreht er sich auch auf den Rücken, um mit dem Menschen ein wenig zu raufen.

5. Rückenschmerzen

Wenn Du dem Hund über den Rücken streichelst und er dabei beginnt, zu knurren, hat er in vielen Fällen aber auch Schmerzen. Typisch hierfür sind sehr bestimmte Laute, die, ignoriert der Mensch sie, auch in Schnappen übergehen können.

Das ist auch irgendwie verständlich, denn ein zu hartes Kraulen tut dem Hund dann oft sehr weh. Die möglichen Ursachen sind sehr breit gefächert: Oft sind es lediglich Muskelverspannungen, die manchmal aber auch auf einen Nerv drücken können. Auch ein Bandscheibenvorfall oder sogar ein gefährlicher Tumor sind möglich.

6. Schmerzen im Abdomen

Sollte der Hund knurren, sobald Du ihn am Bauch oder in der Rippengegend kraulst, stecken hingegen oftmals Schmerzen des Abdomens dahinter. Oft liegt das – ich habe es bereits erwähnt – an Verdauungsstörungen.

Wenn der Hund aber immer wieder knurrt, sobald der Bereich angefasst wird, solltest Du auch an eine Verletzung oder organische Erkrankung denken. Fremdkörper, die sich verfangen haben oder Sensibilitäten in Folge einer OP sind ebenfalls möglich.

In diesen Fällen ist es ratsam, den Hund nicht unnötig mit Streichelversuche zu quälen, sondern eine professionelle Diagnose einzufordern.

7. Fehlende Sympathie

Dein Hund knurrt nur, wenn Fremde versuchen, ihn zu streicheln? Dann hat das Verhalten wahrscheinlich eine Ursache, die eigentlich ziemlich menschlich ist: Es besteht einfach keine Sympathie zwischen Mensch und Tier.

Mögliche Faktoren

  • Alter
  • Stimme
  • Figur
  • Kleidung (z.B. Uniformen)
  • Geruch (auch Duft anderer Haustiere an Mensch).

Auch Hunde mögen manche Leute mehr als andere. Oft ist das einfach eine Laune der Vierbeiner, es können aber auch Traumata dahinterstecken: Hat das Tier einmal schlechte Erfahrungen mit jemandem gemacht, merkt es sich das und kann dann oft auch ähnlich aussehende Menschen nicht leiden.

Versucht der Mensch, dem Hund dann zu nahe zu kommen, teilt er ihm durch Knurren mit, dass er das nicht möchte. Gewöhnlich tritt dieses Verhalten nur bei Personen auf, die nicht im Haushalt leben.

8. Angst

Hunde knurren auch aus Unsicherheit: Wenn sie Angst haben, nehmen sie Trostangebote nicht immer an. Stattdessen verhalten sie sich dann warnend. Die Geräusche sollen dann kommunizieren, dass der Vierbeiner zur Not auch bereit ist, sich zu verteidigen.

Sollte Angst eine Rolle spielen, wirst Du auch noch weitere Zeichen beobachten können: Betroffene Hunde haben oft eine sehr defensive Körperhaltung mit eingezogener Rute, meiden Körperkontakt und versuchen sich – sofern möglich – oft, sich in Verstecke zurückzuziehen.

9. Hund will seine Ruhe

Auch Hunde brauchen ihre Pausen: Das Schlafbedürfnis der Vierbeiner ist enorm, 12 Stunden sind das absolute Minimum, manche Tiere schlummern sogar 20 Stunden oder mehr.

Dabei sind sie natürlich immer gerne bei ihrer menschlichen Familie, brauchen hin und wieder aber auch ihren Abstand. Gewöhnlich ziehen sie sich dann etwas zurück, z.B. unter die Couch.

Wenn Du ihn jetzt dazu zwingen möchtest, unbedingt gestreichelt zu werden, ist es gut möglich, dass ihm das nicht gefällt. Dann kann es sein, dass er mit Knurren abwehrend reagiert.

10. Ohrenschmerzen

Manche Hunde knurren auf einmal, wenn ihr Besitzer ihnen liebevoll über den Kopf streicheln. Dann kann es sein, dass der Vierbeiner eine Ohrenentzündung hat.

Leider sind unsere felligen Freunde sehr anfällig für Infektionen im Gehörgang. Oft sind es Bakterien, Pilze oder Viren, die das Ohr befallen und sich dort ausbreiten. Aufgrund der tiefen, dunklen Struktur des Organs vermehren sie sich leicht.

Die Folge: Ohne Behandlung hat das Tier starke, kaum beeinflussbare Schmerzen. Gelegentlich knurren die Vierbeiner dann auch, wenn Du sie an anderen Stellen berührst. Typisch für Ohrinfektionen sind unangenehme Gerüche aus dem sowie Rötungen oder dunkle Stellen im Ohr.

11. Äußere Einflüsse

Und schließlich kann es auch passieren, dass es gar nicht deine Schuld ist, wenn der Hund beim Streicheln knurrt. Gelegentlich werden die Vierbeiner nämlich auch von äußeren Einflüssen abgelenkt, z.B. von einer Katze, die am Haus vorbeigeht oder ein Vogel.

Der Hund konzentriert sich dann nicht auf dich, sondern auf den vermeintlichen Eindringling. Dementsprechend kann es sein, dass sie kurz knurren. Bleibt die Ablenkung bestehen, ist es gut möglich, dass er anschließend beginnt, aufgeregt zu bellen.

Sollte man Knurren verbieten?

Viele Hundehalter sehen Knurren als lästige Unart der Vierbeiner an, die unbedingt unterbunden werden sollte. Manche Besitzer gehen so weit, ihren Schützling z.B. mit Erziehungshalsbändern zu disziplinieren oder mit ihnen zu schimpfen, sobald sie derartige Laute von sich geben.

Fast alle Experten sehen das aber anders: Das Knurren an sich, so der Konsens, ist nur selten ein Problem. Stattdessen sollten die Ursachen für das Verhalten bekämpft werden.

Teil der “Sprache” des Hundes

Denn Knurren an sich ist zunächst einmal kein schlechtes Benehmen, sondern einfach nur ein Teil der verbalen Hundesprache. Wenn er einen derartigen Laut von sich gibt, möchte er dir etwas mitteilen, sehr oft will er seiner Umgebung eine Art letzte Warnung aussprechen.

Vor dem Knurrlaut hat es der Vierbeiner oft mit anderen Mitteln versucht, z.B.:

  • Blickkontakt ausweichen
  • Kopf wegdrehen
  • Starres Anblicken des Hundes
  • Ausweichbewegungen
  • Blinzeln
  • Gähnen.

Möchte der Hund mit Knurren seine Grenzen aufzeigen, ist das oft das letzte gewaltfreie Mittel, das der Vierbeiner parat hat. Die nächste Eskalationsstufe wäre dann schon Schnappen, gefolgt von Aggressionen wie gehemmten oder – sehr gefährlich – unkontrollierten Bissen.

Verbot nur in Ausnahmefällen sinnvoll

Wenn Du dem Hund das Knurren als Kommunikationsmittel nimmst, fehlt ihm also ein wichtiger Teil seiner Sprache. Darunter leidet dann nicht nur er, sondern auch Du: Im Ernstfall würde er dann nämlich von eher subtilen Gesten direkt zur Aggression übergehen, wäre also unberechenbar.

Ein Pauschalverbot ist also nicht ratsam. Einschreiten solltest Du nur, wenn Du dir sicher bist, dass der Vierbeiner andere Gründe für das Verhalten hat. Solltest Du z.B. zu einhundert Prozent wissen, dass es sich um ein kalkuliertes Knurren oder dominantes Verhalten dir gegenüber handelt, kannst Du durchaus tätig werden.

Das kannst Du gegen Knurren beim Streicheln tun

In den meisten Fällen helfen aber eher andere Dinge. Statt Schimpfen und Bestrafen haben sich in der Praxis insbesondere die folgenden 6 Lösungsmöglichkeiten etabliert.

1. Bei Schmerzen: Tierarztbesuch

Solltest Du vermuten, dass der Hund knurrt, weil er Schmerzen hat, gibt es eigentlich nur eine sinnvolle Lösung: Du muss in naher Zukunft einen Tierarzt aufsuchen.

Eigentlich sind Hunde sehr schmerztolerant. Wenn sie also wegen einer Streicheleinheit ihre Nerven verlieren, muss der Vierbeiner schon ziemlich gebeutelt sein. Merke dir auf jeden Fall, bei welchen Berührungen das Tier begonnen hat, zu knurren, denn das kann bei der Diagnose sehr helfen.

2. Bei Kommunikationsproblemen: Verhaltensberater

Auch bei “Benimm-Problemen” der Vierbeiner gehen viele Halter zum Tierarzt. Dieser kann einige Ratschläge geben und in krassen Fällen sogar Psychopharmaka verschreiben, richtiger Experte ist er auf diesem Gebiet aber meistens nicht.

Stattdessen ist ein anderer Spezialist eine gute und immer beliebter werdende Anlaufstelle: Hundeverhaltensberater sind ausgebildete Profis, die es verstehen, das Verhalten von Vierbeinern und ihren menschlichen Bezugspersonen genau zu analysieren.

Insbesondere bei hartnäckigen Kommunikationsproblemen oder einer gestörten Rangordnung ist eine individuelle Verhaltensschulung eine gute Idee: Hund und Mensch lernen mit vielen wertvollen Tipps, aufeinander zuzugehen, viele Missverständnisse, die dann zum Knurren führen, können so ausgeräumt werden.

3. Bequeme Rückzugsräume schaffen

In vielen Fällen lohnt es sich aber auch einfach, den Hund nicht weiter zu reizen. Dafür sind insbesondere ausreichende Rückzugsräume wichtig.

Wenn dem Vierbeiner alles zu viel wird und er eine Pause von seinen menschlichen Mitbewohnern braucht, muss er sich manchmal einfach verkriechen können. Mit ausreichenden Ruhephasen verbessert sich oft auch die Stimmung des Vierbeiners.

Besonders bewährt haben sich dabei

Sie sind besonders empfehlenswert, wenn im Haus viel Trubel herrscht oder andere Haustiere bzw. Kinder dem Vierbeiner immer wieder auf die Nerven gehen.

4. Futterwechsel oder -anpassung

Solltest Du stark vermuten, dass Verdauungsprobleme den Vierbeiner irritieren, ist oft ein Futterwechsel die beste Lösung.

Magen und Darm entlasten können z.B. Hundefutter mit wenig Fett. Sollte dein Liebling unter einer Futtermittelunverträglichkeit leiden oder Allergiker sein, dürfte eine hypoallergene Spezialsorte eine gute Wahl sein.

Auch bei viel Stress kann eine Nahrungsumstellung helfen. So gibt es z.B. auch Hundefutter für nervöse Hunde. Als Ergänzung setzen einige Hundehalter zudem auf pflanzliche Beruhigungsmittel.

5. Rücksichtsvoller streicheln

Aber auch Du selbst kannst etwas für den Hund tun: Manchmal reicht es schon, wenn Du ihn etwas sanfter streichelst. Du darfst ihn mit den Händen also nicht striegeln, sondern solltest ihn eher zart kraulen.

Auch eine Konzentration auf Körperstellen, an denen der Hund sich gerne anfassen lässt, hilft ungemein. Um das alles herauszufinden, ist es unabdinglich, den Hund im Blick zu halten: Wenn er sich sichtlich entspannt, während Du ihn berührst, ist die Gefahr, dass er zu knurren beginnt, sehr gering.

6. Bei Ränkespielen: Konsequent bleiben

Solltest Du die allerdings sicher sein, dass der Hund eigentlich nur knurrt, weil er dir seine Dominanz zeigen möchte, musst Du auf jeden Fall konsequent bleiben: Die Hand weg- oder dich zurückziehen wäre dann wohl der falsche Weg – das Tier würde dadurch nur bestätigt werden.

Stattdessen solltest Du dann selbst bestimmen, wann Du aufhörst, zu streicheln – das Knurren kannst Du in diesem Ausnahmefall auch ignorieren, wenn Du dir absolut sicher bist, dass dies der Grund ist.

FAQs

Warum schnappt Hund beim Streicheln?

Viele Hunde schnappen beim Streicheln, weil sie das Kraulen als Spiel wahrnehmen. In manchen Fällen handelt es sich aber auch um eine Aggression, das Tier möchte dann in Ruhe gelassen werden. Kurz vorher knurrt er dann auch.

Weiterführende Studien

[1]: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1439-0310.2009.01681.x
[2]: https://royalsocietypublishing.org/doi/abs/10.1098/rsos.170134 .

Über den Autor Sven Kohler
Über den Autor Sven Kohler

Sven schreibt leidenschaftlich gerne über alles, was seine liebsten haarigen Freunde angeht. Am Herzen liegen ihm dabei Hundeerziehung, -Gesundheit und natürlich -Ernährung- die absolute Grundlage für ein glückliches Hundeleben. Und da es auch eine schier unendliche Anzahl an Zubehör und Spielzeug gibt, macht sich Sven die Mühe und stellt Euch seine liebsten Produkte im Test vor.