Hund gähnt viel: 10 Gründe, die dahinter stecken & 5 Lösungen 2022

Hunde gähnen nicht nur, wenn sie müde sind: Sie nutzen das Verhalten auch als Kommunikationsmittel und drücken damit sowohl positive als auch negative Gemütszustände aus.

In wenigen Fällen können auch gesundheitliche Gründe fürs Gähnen verantwortlich sein. Im folgenden Artikel findest Du die 10 häufigsten Ursachen. Weiterhin nenne ich dir 5 Strategien, die helfen können, wenn dein Vierbeiner sehr viel gähnt.

10 Gründe, warum ein Vierbeiner viel gähnt

1. Der Vierbeiner ist hundemüde

In vielen – aber bei weitem nicht allen – Fällen gähnen Vierbeiner aus demselben Grund wie wir Menschen: Sie sind dann einfach müde und müssen sich etwas aufs Ohr legen.

Das geschieht öfter, als Du vielleicht denkst: Hunde haben einen enorm hohen Schlafbedarf. Selbst sehr aktive Tiere brauchen mindestens 12 Stunden Ruhepausen am Tag, viel häufiger sind es aber 14, 16 oder bei Welpen und Senioren sogar oft 20 Stunden oder mehr, die ein Vierbeiner schlummert.

Gähn-Länge hängt von Rasse ab

Wusstest Du schon, dass Hunde abhängig von der Rasse unterschiedlich lang gähnen? Eine Studie mit 198 Vierbeinern fand heraus, dass es einen großen Zusammenhang zwischen Gehirngröße und Gähnen gibt: Je größer das Gehirn, desto länger gähnt das Tier im Durchschnitt.

2. Zeigen von Zuneigung & Vertrauen

Gähnen hat bei Hunden aber noch viel mehr Funktionen: So ist es möglich, dass der Vierbeiner sein Maul aufreißt, um dir, anderen Menschen oder Artgenossen zu zeigen, dass er absolutes Vertrauen hat.

Oft tritt das Verhalten dann in einem “privaten Moment” zwischen Vierbeiner und Halter auf. Viele Hunde gähnen so beim Kraulen. Oft gähnen die Hunde auch, um im nächsten Moment die Hand des Halters zu schlecken.

Wundere dich also nicht, wenn deine Fellnase gähnt, obwohl er eigentlich ausgeschlafen ist – das Verhalten kann auch ein Liebesbeweis sein!

3. Ausdrücken von Mitgefühl

Du bist traurig oder es geht dir nicht gut und dein Hund gähnt dich an? Dann ist es auch möglich, dass er dir sein Mitgefühl ausdrücken möchte. Eine 2013 veröffentlichte Studie hat nämlich herausgefunden, dass Hunde Gähnen sehr wahrscheinlich auch dazu nutzen, um ihre Empathie auszudrücken.

Das wiederum kann dir in schweren Stunden auch Trost verschaffen: Dein Vierbeiner weiß, wie es dir geht und möchte dir helfen.

4. Übersprungshandlung bei Stress

Allerdings ist es auch möglich, dass ein Hund gähnt, weil er viel Stress hat. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Übersprungshandlung: Sobald das Tier nicht mehr weiter weiß, lässt es sein Maul gerne offen stehen.

Eine richtige Funktion hat dieser instinktive Reflex nicht, allerdings wird vermutet, dass Gähnen auch entspannend wirken kann. Sollte der Hund unter Stress leiden, wird er wahrscheinlich noch weitere Anzeichen zeigen, z.B. unruhiges Verhalten oder auch zu viel Schlaf, defensive Körperhaltung mit eingezogener Rute und häufiges Bellen ohne Anlass.

5. Der Vierbeiner wurde “angesteckt”

Es kann aber auch sein, dass jemand anderes für das Gähnen verantwortlich ist. Denn für Hunde gilt dasselbe wie für und Menschen: Der Reflex kann hoch ansteckend sein.

Den Beweis hierfür liefert eine 2008 veröffentlichte Studie: In ihr wurden 28 Hunde Menschen ausgesetzt, die auffällig gähnten. 21 der tierischen Probanden erwiderten die typische Mundbewegung. Achte also auch auf dein eigenes Verhalten – es ist gut möglich, dass der Hund dich nachahmt!

6. Stickige Luft im Haus & Hitze

Gähnen dient auch dazu, einen Sauerstoffmangel auszugleichen. Wenn ein Hund das Maul weit aufreißt, schnappt er schließlich auch viel Luft.

Deshalb kann man das Verhalten auch oft beobachten, wenn es im Haus stickig ist. Auch an heißen Tagen gähnen Lebewesen öfter: Das liegt daran, dass die Moleküldichte bei höheren Temperaturen geringer ist, was die Sauerstoffzufuhr begrenzt.

7. Chronischer Sauerstoffmangel

Leider verursacht aber nicht nur stickige Luft einen Sauerstoffmangel: Auch Lungenkrankheiten oder Herz-Kreislauf-Probleme können dazu beitragen, dass dem Hund O2 fehlt.

Gähnen ist dann eine von mehreren instinktiven Versuchen des Tieres, dieses Defizit auszugleichen: Oft hechelt der Hund auch, Zittern kann manchmal ebenfalls beobachtet werden.

8. Schmerzen

Ein Hund kann aber auch gähnen, weil er starke Schmerzen hat. Der Hintergrund dieser instinktiven Handlung ist dann, dass die kurzzeitige Entspannung Linderung verschaffen könnte.

Hunde sind sehr gut darin, Schmerzen zu verbergen. Wenn ihnen etwas wirklich weh tut, sind häufiges Gähnen, Schmatzen und Hecheln daher Anzeichen, die Du auf jeden Fall ernst nehmen solltest.

9. Hund will einen Konflikt lösen

Hunde sind sehr soziale Tiere und können durchaus harmoniebedürftig sein. Wenn sie merken, dass ein Konflikt entsteht, werden sie deshalb alles versuchen, um diesen aus der Welt zu schaffen.

Gähnen ist dann eine Kommunikationsstrategie des Vierbeiners. Gegenüber Artgenossen sagt die Geste dann aus: “Alles in Ordnung, ich will keinen Streit mehr”. Es ist aber auch möglich, dass Hunde auf diese Art versuchen, Menschen zu beschwichtigen.

Bei einem Konflikt werden Hunde auch noch andere Kommunikationsstrategien nutzen. So meiden sie dann den Blickkontakt und wenden lieber den Rücken zu. Auch langsamere Körperbewegungen gehören zum “Beschwichtigungs-Arsenal” der Vierbeiner.

10. Teil des “Morgenrituals”

Und schließlich ist es auch möglich, dass ein Hund gerade nach dem Aufstehen gähnt. Auch dann ist er nicht müde, sondern bereitet sich auf den neuen Tag vor. Unter anderem dient das Gähnen dann der Förderung der Durchblutung, auch die Muskulatur wird so in Schwung gebracht.

Weitere Teile der “Morgenrituale” der meisten Vierbeiner sind z.B. ein beherztes Durchschütteln oder das Ausstrecken der Vorderpfoten. Nach kurzer Eingewöhnungszeit dürfte das Tier anschließend voll einsatzbereit sein.

Hund gähnt viel: Das kannst Du dagegen tun

Wenn ein Hund gähnt, ist dies also in vielen Fällen unbedenklich: Das Verhalten tritt nicht nur bei Müdigkeit auf, sondern gehört sozusagen zu den Grund-Kommunikationsmitteln der Art.

Das bedeutet aber nicht, dass Gähnen immer in Ordnung ist: Wenn es sehr häufig auftritt oder weniger harmlose Hintergründe hat, muss man selbstverständlich etwas dagegen tun.

Was dann angebracht ist, hängt vor allem von der genauen Ursache ab. Je nach Grund kommen dann insbesondere die folgenden Lösungen in Frage.

1. Dem Hund Ruhemöglichkeiten schaffen

Wenn dein Hund viel gähnt, weil er müde ist, bedeutet dies meist, dass er nicht genug Schlaf bekommt. Dies kann nicht nur an Stress, sondern auch an fehlenden oder unbequemen Rückzugsorten liegen.

Damit sich dein Vierbeiner wohlfühlt und sein großes Schlafpensum erfüllen kann, braucht er Ruheplätze, an denen er sich wirklich entspannen und abschalten kann. Neben Hundekörbchen haben sich hierfür insbesondere “private” Lösungen wie kuschelige Hundehöhlen oder Hundehütten bewährt.

2. Regelmäßig durchlüften

Weiterhin kannst Du auch zu einem besseren Raumklima beitragen, indem Du die Wohnung regelmäßig durchlüftest. Das erhöht die Sauerstoffzirkulation und dient nicht nur dem Vierbeiner: Auch Du kannst davon profitieren und gähnst dann weniger.

Ergänzend hierzu hilft es natürlich auch, nach draußen zu gehen: Ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft belebt alle Beteiligten.

3. Stressfaktoren beseitigen

Sollte der Hund häufig gähnen, weil er gestresst ist, bist Du als Halter besonders gefordert. Dann solltest Du nämlich alles tun, damit dein Vierbeiner sich besser entspannen kann.

Die Lösungsmöglichkeiten hierfür sind sehr vielfältig und hängen vor allem von den Stressfaktoren ab:

  • Manchmal hilft schon mehr Aufmerksamkeit oder Präsenz, insbesondere bei Trennungsangst
  • Einige Hundehalter machen auch mit Duft- und Musiktherapie gute Erfahrungen
  • Lärmquellen wie zu laute Gespräche oder ein voll aufgedrehter Fernseher können beseitigt werden
  • Rückzugsorte helfen auch hier sehr weiter
  • Auch das Minimieren von Reisen mit Auto, Bus & Bahn kann Stress lösen.

Gelegentlich sind die auslösenden Faktoren aber sehr kompliziert, z.B., wenn die Familiendynamik oder ein zweiter Hund den Vierbeiner ständig nerven. Dann kann auch ein Hundeverhaltensberater helfen. Er wird sich die Lebensumstände des Tieres genau ansehen und darauf basierend professionelle Lösungsvorschläge erarbeiten.

4. Für Abkühlung sorgen

Nicht nur im Sommer hilft es zudem, wenn Du es in der Wohnung nicht zu warm hast. Neben regelmäßigem Lüften tragen dazu auch eine nicht zu hoch eingestellte (Fußboden-)Heizung und Schatten, z.B. mit Vorhängen, bei.

Natürlich können auch Klimaanlagen und Ventilatoren für Abkühlung sorgen. Hier solltest Du aber vorsichtig sein, denn Hunde mögen Zugluft nur wenig – sie kann böse Entzündungen, z.B. der Ohren und der Bindehaut – verursachen.

5. Beim Tierarzt durchchecken lassen

Sollte der Hund allerdings immer wieder gähnen und dazu auch noch andere Symptome aufweisen, solltest Du auf Nummer sicher gehen und den Vierbeiner beim Tierarzt vorzeigen.

Die meisten gesundheitlichen Ursachen, die zum Verhalten beitragen, beeinträchtigen zwar die Lebensqualität des Tieres, sind aber nicht lebensgefährlich. Deshalb stehen die Chancen sehr gut, dass der Hund – meistens mit Medikamenten – die Gründe, die zum Gähnen führen, überwinden kann.

FAQs

Warum gähnt Hund beim Streicheln?

Wenn dein Vierbeiner gähnt, während Du ihn streichelst, ist das in den meisten Fällen sehr positiv: Bei Hunden bedeutet dies oft Unterwerfung, Zuneigung und Vertrauen – er zeigt also, dass er dich gern hat. Natürlich ist es auch möglich, dass er vom Kraulen behaglich müde geworden ist und gleich in deinen Armen einschläft.

Weiterführende Studien

[1]: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2610100
[2]: https://academic.oup.com/cz/article/66/4/401/5646647
[3]: https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0071365

Über den Autor Sven Kohler
Über den Autor Sven Kohler

Sven schreibt leidenschaftlich gerne über alles, was seine liebsten haarigen Freunde angeht. Am Herzen liegen ihm dabei Hundeerziehung, -Gesundheit und natürlich -Ernährung- die absolute Grundlage für ein glückliches Hundeleben. Und da es auch eine schier unendliche Anzahl an Zubehör und Spielzeug gibt, macht sich Sven die Mühe und stellt Euch seine liebsten Produkte im Test vor.

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