Hund verliert Urin im Liegen: 10 häufige Gründe & Tipps 2022

Wenn ein Hund im Liegen unkontrolliert Urin verliert, stecken meistens körperliche Leiden dahinter. Manche lassen sich schnell und einfach beheben, andere sind tückischer und können sogar gefährlich für den Vierbeiner sein.

Was alle Gründe eint: Sie sind sowohl für das Tier als auch für seine menschliche Familie alles andere als angenehm. Deshalb solltest Du das Problem schnell angehen, dafür musst Du aber genau wissen, was dahintersteckt.

Deshalb habe ich dir in diesem Artikel die 10 häufigsten Gründe für Inkontinenz bei liegenden Hunden zusammengetragen. Weiterhin findest Du 6 Lösungsmöglichkeiten, die in Betracht kommen können.

10 häufige Ursachen für Inkontinenz bei liegenden Hunden

1. Folgen einer Kastration

Wenn ein Hund im Liegen Urin verliert, sind oft kastrierte Vierbeiner betroffen. Bei Hündinnen ist Inkontinenz dann eine sehr häufige Spätfolge. Bei Rüden tritt sie seltener auf, ist aber auch im Bereich des möglichen – insbesondere, wenn das Tier vergleichsweise spät kastriert wurde.

Grund hierfür ist, dass bei einer Kastration die Hormonausschüttung von Grund auf verändert wird. Die Vierbeiner nehmen deshalb nicht nur häufig an Gewicht zu, sondern verlieren auch an Bindegewebe in der Blase. Deshalb schließt sie nicht mehr wie gewohnt, oft ist dann zu beobachten, dass während des Liegens Urin aus dem Harnleiter tropft.

Tierarzt Dr. Axel Wehrend über die Vor- & Nachteile der Kastration bei Hunden. Quelle: Martin Rütter DOGS Schwerin / https://www.youtube.com/watch?v=rOxkLryhv1o .

In vielen Fällen tritt dieses Phänomen nicht sofort, sondern langsam auf: Gelegentlich vergehen mehrere Jahre, bis deutlich sichtbare Anzeichen einer Inkontinenz vorliegen.

Das bedeutet aber nicht, dass der Verzicht auf eine Kastration immer die bessere Lösung ist: Bei vielen Rassen beugt sie nicht nur Schwangerschaften vor, sondern verhindert auch Krebserkrankungen wie Brust- und Gebärmuttertumore, für die manche Vierbeiner ansonsten sehr anfällig wären.

2. Entzündungen

Auch Entzündungen sind häufig dafür verantwortlich, dass der Hund seine Körperfunktionen nicht mehr kontrollieren kann und auch im Liegen Urin verliert.

Häufig handelt es sich um bakterielle Infektionen der Harnwege, die schnell in eine Blasenentzündung münden. Der Hund hat dann nicht nur Schmerzen, sondern muss sehr oft – auch nachts – Wasser lassen. Eine Zystitis – so der Fachbegriff – kann auch chronisch werden oder andere Organe wie die Nieren befallen. Typisch hierfür ist dunkler, stinkender Urin.

Bei Hündinnen kann auch eine Gebärmutterentzündung in Frage kommen. Dann lässt sich oft zusätzlich eitriger Ausfluss beobachten.

3. Prostatabeschwerden

Bei Rüden kann auch die Prostata dazu führen, dass das Tier seinen Harndrang nicht mehr unter Kontrolle hat und auch im Schlaf Urin absondert.

Betroffen sind meistens ältere Tiere. Typische Krankheitsbilder umfassen eine Entzündung des Organs sowie eine Prostatavergrößerung.

Prostatakrebs hingegen, der bei Menschen fast schon zu einer Senioren Volkskrankheit geworden ist, tritt bei Hunden glücklicherweise nur sehr selten auf.

4. Tumore

Ungewolltes Urinieren im Liegen kann aber auch an Tumoren liegen. Insbesondere Blasenkrebs ist häufig dafür verantwortlich: Etwa zwei Prozent aller Krebserkrankungen bei Hunden fallen in diese Kategorie.

Derartige Tumore sind häufig bösartig und sehr tückisch. Je größer sie werden, desto mehr verletzen sie Bindegewebe und Nerven der Blase. Der Muskel kann nicht mehr schließen, auch im Liegen tritt unkontrolliert Urin aus.

Weitere Symptome, die auf eine Krebserkrankung schließen lassen, sind deutlich sichtbare Schmerzen beim Wasserlassen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust sowie apathisches bzw. zurückgezogenes Verhalten.

5. Harnsteine

Weiterhin werden einige Hunde auch von Harnsteinen heimgesucht: Das sind Kristalle, die aus verschiedenen Harn-Bestandteilen gebildet werden und sich gelegentlich im Urinaltrakt des Vierbeiners festsetzen.

Oft handelt es sich dabei um die Spätfolge einer unbehandelten Blasenentzündung. Auch genetische Prädispositionen oder ein zu mineralhaltiges Futter können begünstigende Faktoren darstellen.

Leidet ein Hund unter Harnsteinen, kann er oft nicht mehr kontrolliert Wasser lassen. In manchen Fällen wird der Urinaltrakt sogar blockiert, stattdessen träufelt der Urin langsam heraus – auch im Liegen.

6. Demenz

Leider gibt es immer mehr Hunde, die unter Symptomen leiden, die einer Demenz ähneln. Fachleute sprechen dabei von dem caninen “Kognitiven Dysfunktionssyndrom” bzw. CDS. Die Ursachen sind noch weitgehend unerforscht, sicher ist allerdings, dass die Krankheit vor allem bei älteren Vierbeinern ab dem 8. Lebensjahr auftritt.

Betroffene Tiere vergessen immer wieder, wo sie sind: Deshalb sind sie oft nicht mehr zuverlässig stubenrein, sie kündigen z.B. nicht mehr an, wenn sie “müssen”. So wachen sie oft nicht mehr auf, wenn die Blase drückt, sondern urinieren einfach im Liegen.

Weitere Anzeichen für Demenz bei Hunden

  • Hund ist oft ängstlich & nervös
  • Gestörter Tag-Nacht-Rhythmus
  • Probleme, seine Bezugspersonen wiederzuerkennen
  • Vierbeiner bellt Dinge oder Leute ohne sichtbaren Grund an
  • Hund zieht sich immer mehr zurück, ist apathisch & antriebslos
  • Veränderter Appetit, Hund hat immer wieder Hunger & bettelt um Futter.

Quelle: VetSpezial Zentrum für Kleinmedizin, Lehrte .

Derartige Demenzerkrankungen sind unheilbar. Allerdings ist es möglich, dem Hund trotzdem noch für längere Zeit ein glückliches, würdevolles Leben zu ermöglichen. Dazu gehört tierärztliche Behandlung, viel Liebe, Aufmerksamkeit und ein auf die Bedürfnisse des Tieres zugeschnittener Tagesablauf.

7. Nervenleiden & -verletzungen

Inkontinenz beim Hund kann aber auch durch beschädigte Nerven verursacht werden. Dann gerät Urin auch ohne Zutun des Hundes aus dem Körper – z.B. beim Liegen.

Häufig verantwortlich dafür sind Bandscheibenvorfälle, die auf die Nerven des Urinaltrakts drücken. Aber auch andere Erkrankungen wie das “Cauda Equina Syndrom” (Nerven am Kreuzbein engen sich ein) oder Verletzungen sind mögliche Verursacher.

8. Stoffwechselerkrankungen & Hormonleiden

Auch Stoffwechselerkrankungen können den Hund inkontinent machen. Störungen von Organen wie Leber, Nieren und Bauchspeicheldrüse provozieren Entzündungen, die auch in die Blase streuen.

Dazu gehört im weitesten Sinne auch Diabetes, bei Hunden herrscht dabei der “Typ 1” vor. Betroffene Hunde haben mehr Durst, so dass sie Blase voller ist als normal. Weiterhin werden die Nerven beschädigt, wodurch der Urinaltrakt nicht so zuverlässig schließt wie bei gesunden Hunden.

Ein weiterer verwandter Krankheitskomplex sind Hormonerkrankungen: Ein Östrogenmangel bei Hündinnen oder da Cushing-Syndrom mit Cortisolüberschuss provozieren bei Hunden Inkontinenz.

9. Ureterektopie

In den meisten Fällen sind Hunde, die im Liegen Urin verlieren, eher älter. Es gibt aber auch jüngere Vierbeiner, die ihre Blase nicht unter Kontrolle haben. Laut einer Studie liegt das in etwa 55 Prozent der Fälle dann an einer Fehlstellung der Harnleiter.

Dieses Phänomen nennen Fachleute auch “Ureterektopie”. Diese Krankheit ist für den Hund sehr schmerzhaft. Das Wasserlassen erfolgt sehr langsam, so dass die Blase unterwegs nicht vollständig geleert wird. Stattdessen rinnt der Urin tröpfchenweise heraus – auch im Liegen.

10. Gelenkbeschwerden

Weiterhin kann ein Hund im Liegen auch Urin verlieren, weil es ihm einfach nicht gelingt, aufzustehen, um Wasser zu lassen. Das kann natürlich passieren, weil er aufgrund einer Verletzung kurzzeitig bewegungseingeschränkt ist, häufig stecken aber Gelenkbeschwerden dahinter.

Zu den häufigsten Erkrankungen dieses Spektrums gehören Arthritis, Arthrose und Hüftdysplasie. Wenn der Hund versucht, aufzustehen, hat er so große Schmerzen, dass er oft wieder aufgibt. Bei zu voller Blase entleert er sie dann häufig im Liegen.

Weitere, allgemeine Ursachen für Blasenschwäche beim Hund

Es gibt aber auch noch andere Ursachen, die dazu führen können, dass der Hund Anzeichen von Inkontinenz zeigt. Diese treten aber weniger beim Liegen auf, sondern eher zu anderen Anlässen. Dazu gehören z.B.

  • Langeweile, Frust & Trotz
  • Territorialverhalten
  • Übermäßige Freude bzw. Aufregung
  • Stress, z.B. wegen Trennungsangst
  • Zu kurzer / falsch getimter Auslauf.

Hund verliert Urin im Liegen: 6 Dinge, die Du tun kannst

Wenn der Hund im Liegen Urin verliert, kann de Vierbeiner in den seltensten Fällen etwas dafür: Du solltest also nicht mit ihm schimpfen oder ihn sogar bestrafen, denn eine funktionierende Lösung sind solche Maßnahmen wirklich nicht.

Stattdessen gilt es, Dinge zu unternehmen, die der Ursache gerecht werden. Je nach Grund für die Inkontinenz kann dann eine der folgenden 6 Lösungen in Frage kommen.

1. Hundetoilette

Eine Hundetoilette ist eine kleine, boxförmige Vorrichtung, in der ein Hund sich erleichtern kann, ohne das Haus verlassen zu müssen.

Zum Weiterlesen

Mehr hierzu findest Du auch in unserem großen “Hundetoiletten” Artikel.

Sie eignen sich besonders für körperlich schwache oder verletzte Hunde, die zwar noch aufstehen, aber nicht mehr längere Wege gehen können. Weiterhin werden sie auch oft eingesetzt, wenn der Vierbeiner lange Zeit allein bleiben muss.

Zudem gibt es auch “Trainings-Toiletten” die dazu dienen, den Hund stubenrein zu machen.

2. Hundewindel

Sollten körperliche Gründe hinter der Inkontinenz stecken, kann auch eine Hundewindel zumindest zeitweilig eine Lösung darstellen. Oft werden sie zur Überbrückung verwendet, bevor eine OP oder Medikamente für dauerhafte Erleichterung sorgen. In manchen Fällen – z.B. bei Demenz – werden sie aber auch längerfristig genutzt.

Weitere Infos & Vergleich

Wenn Du mehr Infos zum Thema brauchst, empfehle ich dir unseren “Hundewindel” Test und Vergleich.

Sie sind sowohl als Ein- als auch als Mehrweg-Ausführungen erhältlich. Weiterhin gibt es Modelle für Rüden und für Hündinnen. Der Urin wird dann zuverlässig aufgesaugt, was sich positiv auf Hygiene und Selbstbewusstsein des Hundes auswirkt. Allerdings müssen diese Windeln auch regelmäßig gewechselt werden und gut sitzen, damit sie den Vierbeiner nicht stören.

3. Den Hund viel trinken lassen

Sollte dein Hund unter einer Harnwegsinfektion oder sogar einer Blasenentzündung leiden, sollte er als Erstmaßnahme viel Flüssigkeit bekommen. Dann muss er zwar öfter Wasser lassen, scheidet dabei aber auch viele Keime aus, was die Infektion lindert.

Diese Strategie hilft auch gegen Harnsteine. Wenn Du diese Ursachen vermutest, muss der Wassernapf also immer gut gefüllt sein.

Sollte dein Vierbeiner nur wenig Lust auf Flüssiges haben, kann es helfen, ihn etwas “auszutricksen”. So könntest Du z.B. ein Leckerli im Napf schwimmen lassen oder das Trockenfutter einweichen – in beiden Fällen muss der Hund dann auch trinken, um fressen

4. Futterwechsel

In manchen Fällen kann auch ein Futterwechsel ein Schritt in die richtige Richtung sein:

  • Eine Sorte mit möglichst wenig Mineralstoffen kann so z.B. dabei helfen, Harnsteinen vorzubeugen
  • Auch für kastrierte Hunde gibt es Spezialfutter
  • Bei Gelenkproblemen helfen oft spezielle Senior Mischungen
  • Im Fall von Stoffwechselerkrankungen gibt es ebenfalls besondere Rezepturen, z.B. Hundefutter für nierenkranke Hunde, die dazu beitragen, Entzündungen zu hemmen.

5. Nahrungsergänzungsmittel

Neben dem Futter an sich helfen manchmal ebenfalls Nahrungsergänzungsmittel. Hunde, die unter Gelenkproblemen leiden, können so z.B. Grünlippmuschel in die Mahlzeit gemischt bekommen. Auch spezielle Gelenk-Mischungen können sehr hilfreich sein.

6. Auf zum Tierarzt

Viele Gründe dafür, dass der Hund im Liegen Urin verliert, sind allerdings körperlich bedingt. Dann sind die möglichen Lösungen, die Du alleine auf die Beine stellen kannst, doch sehr begrenzt: In vielen Fällen musst Du dann doch zum Tierarzt.

Das betrifft insbesondere folgende Gründe

  • Fortgeschrittene Blasenentzündungen (Antibiotika)
  • Verhärtete Harnsteine
  • Eventuell Spätfolgen einer Kastration (medikamentöse Behandlung mit Caniphedrin)
  • Demenz
  • Alle Tumore
  • Prostatavergrößerung & -entzündung
  • Nervenleiden
  • Stoffwechselstörungen
  • Fehlbildungen der Harnleiter (OP).

Du solltest dabei nicht zögern, denn die meisten dieser Ursachen führen nicht nur zu Inkontinenz, sondern auch zu Schmerzen und beeinträchtigen die Lebensqualität deines Vierbeiners dementsprechend.

FAQs

Was bewirkt Caniphedrin?

Caniphedrin ist ein veterinärmedizinisches Medikament, das vor allem zur Behandlung von Inkontinenz bei Hunden, z.B. nach einer Kastration, eingesetzt wird. Es unterstützt die Funktion des Blasenschließmuskels. Wirkstoff des Arzneimittels ist das Alkaloid Ephedrin.

Weiterführende Studien

[1]: https://academic.oup.com/ilarjournal/article/55/1/100/847848?fbclid=IwAR1fUP-Gte054icYmq5rA9dsxlJzzI8PfoXYT40E5L8l–C5LX6Dr6Q_7qs
[2]: https://www.vin.com/apputil/content/defaultadv1.aspx?pId=11181&meta=generic&catId=30089&id=3852252&ind=302&objTypeID=17
[3]: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0035-1558517 .

Über den Autor Sven Kohler
Über den Autor Sven Kohler

Sven schreibt leidenschaftlich gerne über alles, was seine liebsten haarigen Freunde angeht. Am Herzen liegen ihm dabei Hundeerziehung, -Gesundheit und natürlich -Ernährung- die absolute Grundlage für ein glückliches Hundeleben. Und da es auch eine schier unendliche Anzahl an Zubehör und Spielzeug gibt, macht sich Sven die Mühe und stellt Euch seine liebsten Produkte im Test vor.