Hund stößt Darmschleimhaut ab: 11 Ursachen & 6 Lösungen 2022

Wenn der Hund viel Schleim aus dem After ausscheidet oder sogar so wirkt, als würde er Darmschleimhaut abstoßen, steckt eigentlich immer der Dickdarm dahinter.

Oft sind die Ursachen dafür eher harmlos und schnell zu lösen. Manchmal stecken aber auch tückische Probleme dahinter, die nur schwierig in den Griff zu bekommen sind.

Damit Du weißt, woran es liegen kann, dass dein Vierbeiner Darmschleimhaut abstößt, findest Du in diesem Artikel die 11 häufigsten Gründe dafür. Weiterhin stelle ich dir 6 Lösungsmöglichkeiten vor, die bei vielen Ursachen in Betracht kommen.

11 häufige Gründe für Abstoßen von Darmschleimhaut beim Hund

1. Endoparasiten

Der wohl häufigste Grund dafür, dass ein Hund schleimigen Kot hat, sind Endoparasiten. Dabei handelt es sich um Kleinstlebewesen, die mit Vorliebe im Darm der Vierbeiner leben. Oft sind es Würmer, aber auch andere Lebensformen wie Giardien gehören zu dieser Gruppe.

Ein Parasitenbefall bringt die Darmflora ganz schön durcheinander. Bei großen Schmarotzer-Populationen reagiert der Dickdarm z.B. allergisch und stößt vermehrt Schleim aus.

Häufig – aber nicht immer – leiden Hunde dann auch unter weiteren Verdauungsstörungen wie Erbrechen oder Durchfall. Gelegentlich ist es sogar möglich, im Kot oder im Erbrochenen des Vierbeiners Eier oder gar ausgewachsene Würmer zu erkennen.

2. Entzündung des Dickdarms

Eine Dickdarmentzündung wird auch als Colitis bezeichnet. Sie kann sowohl akut als auch chronisch auftreten. Die Ursachen sind vielfältig, zu den bekanntesten Faktoren, die dazu beitragen gehören:

  • Auf den Darm ausstreuende Entzündungen
  • Bakterielles Ungleichgewicht und
  • Überforderung des Magen-Darm-Traktes, z.B. durch zu viel Futter.

Bei einer Colitis reagiert der Dickdarm oft mit einer vermehrten Schleimbildung: Der Körper will so eine Schutzschicht aufbauen. Diese wird auch in den Enddarm abgegeben und überzieht so den Kot des Vierbeiners.

3. Chronische Darmentzündung (IBD)

Eine ziemlich häufige Krankheit bei Hunden ist die so genannte “Inflammatory Bowel Disease”, kurz IBD genannt. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit, das Immunsystem greift also den eigenen Körper an. Besonders der Dickdarm ist betroffen.

Obwohl es sich dabei um eines der häufigsten gastrointestinalen Krankheitsbilder bei Hunden handelt, ist die Erkrankung leider noch wenig erforscht. Sicher ist aber, dass die Entzündung vor allem die Schleimhäute angreift.

Diese versuchen dann, sich mit Schleim zu schützen, der dann z.B. mit dem Kot nach draußen dringt. Aufgrund der Entzündung ist er oft blutig-rötlich gefärbt.

4. “Leaky Gut Syndrom”

Auch das sogenannte “Leaky Gut Syndrom” ist eng mit Autoimmunkrankheiten verbunden. Dabei wird die Darmschleimhaut permanent geschädigt.

Zunächst hat dies zur Folge, dass der Körper versucht, sich mit mehr Schleim dagegen zu wehren. Im fortgeschrittenem Stadium sind die Schleimhäute aber kaum noch funktionsfähig.

Das ist sehr gefährlich: Nähr- und Schadstoffe geraten dann fast ungefiltert ins Blut und können schwere Erkrankungen bis hin zu einer Sepsis verursachen.

5. Bakterielle & virale Infektionen

Auch in den Dickdarm geratene Bakterien oder Viren können den Körper dazu veranlassen, mit Schleimproduktion zu reagieren, die dann den Kot umschließt.

Häufig handelt es sich um Infektionen mit E.Coli Bakterien, auch als Colibacillose bekannt. Zu den gefährlichsten Viruserkrankungen im Darm gehört die Parvovirose, die besonders Welpen und geschwächte Tiere trifft: Sie kann schnell tödlich ausgehen und ist hochansteckend.

6. Nebenwirkung von Medikamenten

Dein Hund kriegt Medikamente? Dann kann es sein, dass Nebenwirkungen die Darmschleimhaut angreifen.

Insbesondere Antibiotika sind dafür bekannt: Sie töten schädliche Bakterien ab, aber auch nützliche. Das bedeutet, dass das Gleichgewicht der Darmflora außer Kraft gesetzt wird.

Die Folge ist dann oft eine von Medikamenten verursachte Dickdarmentzündung: Fachleute bezeichnen diese auch als “pseudomembranöse Colitis”. Der Darm versucht dann, sich mit Ausscheidungen aus der Darmschleimhaut zu schützen.

7. Futtermittelintoleranzen & -allergien

Ebenfalls häufiger Verursacher von Problemen mit der Darmschleimhaut sind Futtermittelintoleranzen. Der Körper reagiert dann auf bestimmte Bestandteile der Nahrung allergisch und versucht, sie so schnell wie möglich wieder auszuscheiden.

Häufig handelt es sich dabei um pflanzliche oder tierische Proteine, dementsprechend häufig sind bestimmte Fleisch- oder Getreidesorten die Verursacher. Sollte es die Nahrung in den Dickdarm schaffen, versucht der Körper, die vermeintlichen Schadstoffe mit Schleim unschädlich zu machen.

Generell unterscheidet man dabei zwischen zwei unterschiedlichen Phänomen, die sehr ähnliche Symptome verursachen: Eine Futtermittelallergie ist angeboren, eine -unverträglichkeit hingegen wird im Laufe der Zeit erworben.

8. Magenverstimmung

Die Darmschleimhaut kann aber auch von einer Magenverstimmung gereizt werden. Dann hat der Hund in den meisten Fällen etwas verdorbenes gefressen oder einen Fremdkörper aufgenommen.

Passiert der kontaminierte Mageninhalt den Magen, versucht der Darm, sich gegen die “Eindringlinge” zu wehren. Im Dickdarm wird deshalb Schleim freigesetzt.

Oft betroffen sind Vierbeiner, die Müll oder Aas gefressen haben. Auch verdorbenes Futter – z.B. in Form von nicht optimal gelagerter Feucht- oder BARF Nahrung, ist ein häufiger Verursacher.

9. Stoffwechselprobleme

Die Darmschleimhaut kann auch von Stoffwechselerkrankungen gereizt werden. Dazu gehören z.B. die Bauchspeicheldrüse sowie Leber- und Nierenerkrankungen.

Dann kommt es im Dickdarm zu Abwehrreaktionen, die den Kot der Vierbeiner oft mit Schleim umziehen lassen.

10. Tumorerkrankungen

Auch Tumore können die Darmschleimhaut angreifen. Häufig handelt es sich dabei um Dickdarmtumore.

Häufige Dickdarmtumore beim Hund

  • Adenom
  • Adenokarzinom
  • Leiomyom
  • Leiomyosarkom
  • Lymphom
  • Gastrointestinaler Strumatumor
  • Mastzelltumor
  • Karzinoide

Quelle: Dr. Thomas Grammel / Immune Therapy Vet .

Betroffene Hunde sind meistens älter und zeigen oft zusätzlich Schmerzen im Abdomen, auch Blut im Stuhl tritt häufig auf. Viele Darmtumore metastastisieren leider ziemlich schnell, ohne schnelle Behandlung ist die Prognose deshalb eher ungünstig.

11. Stressabbau

Und schließlich könnte es auch Stress sein, der die Darmschleimhaut überreagieren lässt: Der Schleim setzt nämlich hohe Mengen des “Glückshormons” Serotonin frei. Dies dient möglicherweise dazu, “Stresshormone” wie Adrenalin oder Cortisol zu neutralisieren.

Unter Stress leidende Hunde zeigen häufig deutliche Anzeichen wie hyperaktives oder zu ruhiges Verhalten, defensive Körperhaltung oder Appetitlosigkeit. Verantwortlich sind meist externe Faktoren wie zu viel Lärm oder Trubel, übermäßige Strapazen oder ander (Haus-)tiere, die dem Vierbeiner zu Hause oder auf dem Gassigang das Leben zur Hölle machen.

Hund stößt Darmschleimhaut ab: 6 Lösungen

Wenn ein Hund auf einmal Schleim durch den After ausscheidet, solltest Du also auf der Hut sein: Zwar gibt es einige Ursachen, die eher harmlos sind, viele Gründe sind aber auch schwerwiegender und können sogar lebensbedrohlich sein.

Deshalb musst Du den Hund genau beobachten und auch auf mögliche weitere Symptome achten: So kannst Du die möglichen Ursachen bereits etwas eingrenzen und schneller zu einer Lösung kommt, die hilft.

1. Kot genau im Blick behalten

Als erstes solltest Du auf jeden Fall den Kot des Hundes genau im Blick behalten:

Fragenkatalog

  • Ist der Kot regelmäßig von Schleim bezogen?
  • Ist im Laufe der Zeit mehr oder weniger schleimiger Film zu beobachten?
  • Ist der Stuhlgang eher fest oder sogar wässrig?
  • Ist der Schleim blutig durchsetzt?
  • Hat der Kot eine gesunde, bräunliche Färbung?
  • Kannst Du Eier oder sogar lebende oder tote Würmer identifizieren?

sind nur eine Fragen, die Du dir dabei stellen solltest. Bei der Betrachtung solltest Du allerdings vorsichtig sein, denn viele Parasiten und auch einige Bakterien und Viren können mit Pech auch vom Hund auf den Menschen übergehen.

Ideal ist es, bei der Betrachtung Handschuhe und Schutzmaske zu tragen. Weiterhin solltest Du die Fläche nach Entfernung des Kots gut säubern. Mehr dazu findest Du auch in unserem Artikel “Würmer beim Hund: So reinigst Du deine Wohnung”.

2. Regelmäßige Entwurmung des Hundes

Da Parasiten eine der häufigsten Ursachen für das Problem sind, solltest Du zudem ernsthaft darüber nachdenken, den Hund regelmäßiger entwurmen zu lassen als vorher. Das betrifft insbesondere Vierbeiner, die einer Risikogruppe angehören und z.B. viel Zeit unbeaufsichtigt im Freien verbringen.

So oft sollten Hunde entwurmt werden

Es gibt keine allgemeingültige Regel dafür, wie oft ein Hund entwurmt werden muss, das hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Mehr hierzu findest Du auch in unserem Info-Artikel “Hund entwurmen – wann und wie oft?”.

Praktisch alle Tierärzte empfehlen, Hunde mit speziellen Antiparasitika zu entwurmen. Sie sind klinisch erprobt, für die Vierbeiner harmlos, allerdings deutlich effektiver als pflanzliche Mittel.

3. Futterumstellung

Sollte sich herausstellen, dass dein Vierbeiner unter einer Futtermittelallergie oder -intoleranz leiden, wird sich die Verdauung allerdings nicht von alleine verbessern. Um Dickdarm und Schleimhäute zu beruhigen, hilft dann nur eins: Du musst das Futter wechseln.

Leckerlis nicht vergessen

Aufgepasst: Nicht nur das Hauptfutter kann Intoleranzen triggern. Du solltest also auch die Leckerli, die dein Vierbeiner bekommt, kritisch hinterfragen und, sofern der Darm weiter gereizt ist, gegen eine andere Rezeptur austauschen.

Dabei gibt es immer noch viele Hundehalter, die mit Ausschlussdiäten arbeiten: Dann wird versucht, das Futter mit einer Rezeptur auszutauschen, die andere Zutaten enthält. Das kann schnell von Erfolg gekrönt sein, oft dauert es aber sehr lange, bis das Allergen auf diese Weise ausfindig gemacht wurde.

Deutlich vielversprechender ist der Umstieg auf eine eindeutig hypoallergene Sorte. Bei diesen Mischungen wird bewusst auf praktisch alle Zutaten, die häufig Probleme machen, verzichtet. Die Futter sind getreidefrei und verwenden oft eher exotische tierische Proteinquellen.

4. Dem Hund Ruhe gönnen

Sollte der Hund von einem Infekt geschwächt sein oder unter Stress leiden, hilft es vor allem, ihm Ruhe zu gönnen. Anstrengende Aktivitäten sollten dann zunächst ausfallen, sofern sich der Vierbeiner nicht begeistert zeigt.

Auch Stressfaktoren wie Lärm, nervige Artgenossen unterwegs oder Strapazen wie Autofahrten sollten dann besser dauerhaft verringert werden. Der Hund kriegt so seine Balance wieder und kann seine Energie dazu nutzen, seinen Körper zu regenerieren.

5. Darmsanierung

Wenn eine unausgeglichene Darmflora dem Dickdarm so zusetzt, dass die Schleimhaut überreagiert, dann könnte auch eine Darmsanierung in Frage kommen. Ziel ist es dann, die Mikroorganismen im Verdauungstrakt wieder in Balance zu bringen.

Tierheilpraktikerin & -physioterapeutin Natalie Klug mit wertvollen Tipps zum Darmaufbau beim Hund. Quelle: Natalie Klug / https://www.youtube.com/watch?v=VR-A5G7Ixg4 .

Dazu können viele Dinge beitragen: Neben einem Futterwechsel raten viele Experten auch zu Pro- und Präbiotika. Auch (Haus-)Mittel wie Heilerde, Ulmenrinde oder Flohsamenschalen stehen hoch im Kurs. Für genaue Pläne ist es ratsam, einen ausgebildeten Hundeernährungsberater hinzuzuziehen.

6. Tierarztbesuch

Manchmal ist es aber doch notwendig, einen Tierarzt aufzusuchen. Dies betrifft insbesondere Fälle, in denen eine schwerere Erkrankung zu vermuten ist.

Dazu gehören z.B. Verdachtsfälle auf

  • IBD & “Leaky Gut Syndrom”
  • Länger anhaltender (auch blutiger) Durchfall
  • Stoffwechselerkrankungen oder Verdacht auf chronische Organleiden
  • Tumorerkrankungen.

Auch bei länger anhaltenden Beschwerden ohne weitere Symptome ist ein Gang in die Praxis empfehlenswert, auch, um ausschließen zu können, dass nicht doch etwas Schwerwiegendes dahinter steckt.

FAQs

Warum stößt Hund Darmschleimhaut ab?

Wenn der Hund durch den After Schleim ausstößt, liegt das meistens an einer Reizung des Dickdarms. Häufig stecken Parasiten oder Probleme mit dem Futter, also Komplikationen bei einer Umstellung, Allergien oder Intoleranzen, dahinter. In manchen Fällen liegt es aber auch an Entzündungen, Infekten oder sogar an organischen Erkrankungen.

Weiterführende Studien

[1]: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S104366180580101X
[2]: https://econtent.hogrefe.com/doi/abs/10.1024/0036-7281.145.5.209 .

Über den Autor Sven Kohler
Über den Autor Sven Kohler

Sven schreibt leidenschaftlich gerne über alles, was seine liebsten haarigen Freunde angeht. Am Herzen liegen ihm dabei Hundeerziehung, -Gesundheit und natürlich -Ernährung- die absolute Grundlage für ein glückliches Hundeleben. Und da es auch eine schier unendliche Anzahl an Zubehör und Spielzeug gibt, macht sich Sven die Mühe und stellt Euch seine liebsten Produkte im Test vor.