Dein Hund hat Schaum vorm Mund? 11 Ursachen & 6 Lösungen 2022

Wenn ein Vierbeiner auf einmal Schaum vor dem Mund hat, denken viele Hundehalter gleich ans Schlimmste: Derartiger Ausfluss aus dem Maul ist schließlich eines der typischsten Symptome für die hoch ansteckende und tödliche Tollwut.

Doch keine Sorge: Diese Gefahr ist 2022 sehr selten geworden. Stattdessen sind es meistens eher harmlose Gründe, die dahinter stecken, in manchen Fällen hat der Schaum aber auch kritische Ursachen.

Welche das sind, erfährst Du in diesem Artikel. Weiterhin findest Du 6 Dinge, die Du tun kannst, wenn dein Hund einen schaumigen Mund aufweist.

11 Gründe, warum ein Hund Schaum vor dem Mund hat

Dein Hund hat Schaum vorm Mund

1. Magenverstimmung

Wenn ein Hund Schaum vor dem Mund hat, steckt in vielen Fällen etwas sehr Unangenehmes, aber nicht Lebensbedrohliches dahinter: Oft ist dem Vierbeiner dann einfach speiübel.

Der Hund schmatzt dann oft, bildet viel Speichel und versucht, den Mageninhalt heraus zu würgen oder zu brechen. Das Produkt, das dann aus dem Maul läuft, sieht häufig wie Schaum aus.

Häufig steckt eine Magenverstimmung dahinter, die bei Hunden gar nicht mal so selten ist: Oft hat das Tier dann etwas Verdorbenes gefressen, z.B. aufgelesenen Müll oder verdorbenes Futter.

2. Reisekrankheit

Dein Vierbeiner hat immer wieder Schaum vor dem Mund, wenn er im Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist? Auch dann handelt es sich oft um Symptome von Übelkeit, die von der sogenannten Reisekrankheit verursacht werden.

Nicht jeder Hund verträgt Fahrten gleich gut: Die Schwingungen im Fahrzeug in Verbindung mit dem Ausblick bei hohen Geschwindigkeiten resultiert nicht selten in Gleichgewichtsstörungen, einem flauen Gefühl im Magen und auch Brechreiz.

Eine solche Kinetose kann auch spontan auftreten – selbst, wenn Reisen über Jahre hinweg problemlos verlaufen sind. Weitere Symptome umfassen u.a. starkes Hecheln, Speichelbildung und Desorientierung des Vierbeiners.

3. Zahnprobleme

Wenn dein Vierbeiner immer wieder schäumt und vielleicht auch nicht mehr so frisst wie früher, dann können aber auch Zahnprobleme dahinter stecken. Typische menschliche Leiden wie Karies kommen bei den Vierbeinern zwar seltener vor, dafür ist Zahnstein aber ein häufiges und oft lange Zeit unerkanntes Problem.

Tierarzt Emin Jasarevic erklärt dir, was Zahnstein alles beim Hund bewirken kann. Quelle: Tierisch Gesund / https://www.youtube.com/watch?v=jHUQ5oORTyY .

Verhärtete Plaque ist eine häufige Ursache für Infektionen, die tief in den Kiefer und sogar ins Auge gehen können. Das kann für den Hund sehr schmerzhaft sein und u.a. zu starker, schaumartiger Speichelbildung führen.

Auch abgebrochene Zähne und Fremdkörper im Zahnfleisch sind eher weit verbreitet. Diese sind nicht nur Einladungen für Keime, sondern stören den Hund auch. Er versucht deshalb instinktiv, den Mund mit mehr Speichel zu spülen, das kann ebenfalls zu schaumigen Flüssigkeitsansammlungen führen.

4. Fremdkörper

Fremdkörper können sich aber nicht nur in den Zähnen verfangen, sondern auch vom Hund verschluckt werden. Das geht manchmal schneller, als einem lieb ist – in einem Moment riecht der Vierbeiner noch an einem für ihn interessanten Objekt, im nächsten ist es schon verschwunden.

Tierarzt Henning Wilts erklärt, warum Fremdkörper so tückisch sind. Quelle: Henning Wilts Tierarzt / https://www.youtube.com/watch?v=098hJ6qMT7A .

Wenn Du Glück hast, scheidet der Hund den Störenfried innerhalb einiger Stunden wieder aus. Hat sich der Fremdkörper verfangen, wird es aber schnell zu einer unangenehmen und auch gefährlichen Sache für den Vierbeiner.

Er versucht dann instinktiv, das Objekt wieder aus dem Körper heraus zu befördern. Dafür steigt die Speichelproduktion, auch Würgen und Erbrechen gehören dann zum Repertoire des Körpers. Insbesondere auf nüchternem Magen sieht das Produkt dann oft wie Schaum aus.

5. Vergiftungserscheinungen

Allerdings kann Schaumbildung auch Zeichen einer Vergiftung sein. Leider gibt es viele Giftstoffe, die unsere vierbeinigen Freunde im Alltag bedrohen: Neben Giftködern und anderen Schädlingsbekämpfern gehören auch z.B. Kunstdünger und auch manche Lebensmittel wie Schokolade oder einige Obst- und Gemüsesorten in diese Kategorie.

Absoluter Notfall

Bei Vergiftungen handelt es sich eigentlich immer um einen absoluten Notfall, mit dem Du sofort zum Tierarzt gehen musst – außerhalb der Sprechzeiten auch unter Anspruchnahme des Notdienstes.

Mehr zu diesem wichtigen Thema, das jeden Vierbeiner treffen kann, kannst Du in unserem Artikel “Vergiftungen beim Hund” erfahren.

Der Hund reagiert darauf oft mit Übelkeit und – manchmal auch blutigem – Durchfall und Erbrechen. Er möchte die Giftstoffe so auf dem schnellsten Weg wieder aus dem Körper leiten. Weiterhin tritt bei den meisten Toxinen eine Nervenlähmung auf, der Speichel kann nicht mehr geschluckt werden und tritt schaumartig aus dem Maul.

6. Futtermittelunverträglichkeiten & -allergien

Wenn dein Hund immer wieder Anzeichen von Verdauungsproblemen zeigt und dabei Schaum vor dem Mund hat, liegt es manchmal aber auch an einer Futtermittelintoleranz. Der Hundekörper interpretiert dann eine eigentlich harmlose Zutat fälschlicherweise als schädlich.

Magen und Darm kommen mit dem Futter nicht klar, der Hund kriegt Durchfall oder versucht, die Nahrung wieder herauszuwürgen. Dabei wird die Speichelproduktion hochgefahren, was – insbesondere in Verbindung mit Brechreiz – manchmal wie Schaum aussieht.

Intoleranzen sind gegen jede Zutat möglich, meistens handelt es sich um bestimmte Eiweiße. Bei einem angeborenen Problem spricht man von einer Allergie, im Laufe des Lebens erworben lautet der Begriff Unverträglichkeit.

7. Nervosität & Stress

Ebenfalls zu vermehrter Speichelbildung und dem Hochwürgen auch auf nüchternem Magen führt zu viel Stress oder Nervosität. Ein derartig geplagter Hund schüttet vermehrt Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol aus, welche dann schnell den Verdauungstrakt beeinflussen.

Dadurch steigt auch der Speichelfluss an: Es ist also nicht verwunderlich, dass durch das Maul viel Flüssigkeit ausgeschieden wird, die uns dann gelegentlich an Schaum erinnern.

8. Epileptischer Anfall

Epilepsie ist bei Hunden gar nicht mal so selten: Laut einer Studie leiden ungefähr 0,75 Prozent aller Vierbeiner darunter. Bei dieser Schädigung im Großhirn ist die Ladung der Nerven kurzzeitig – manchmal nur für wenige Sekunden – gestört.

Der Hund reagiert unkontrolliert, verliert das Bewusstsein und zuckt stark. Auch die Zunge ist betroffen, wenn dann auch noch vermehrt Speichel auftritt, wirkt sie wie ein Schneebesen, Schaum läuft aus dem Maul.

Epileptische Anfälle finden oft nachts statt, in vielen Fällen verhält sich der Hund schon Stunden vorher unruhig. Für uns ist das ein großer Schock, allerdings sind die meisten Fälle nicht lebensgefährlich.

9. Überhitzung

Ein Hund kann nicht nur an heißen Tagen überhitzen: Auch im Winter kann die Körpertemperatur bedrohlich ansteigen, z.B. bei aufgedrehtem Heizkörper oder dem Vorhandensein einer Fußbodenheizung.

Insbesondere fettleibige Tiere und Angehörige brachycephaler (kurzköpfiger) Rassen sind davon betroffen: Bei etwas Anstrengung überhitzen sie schnell, beginnen zu schnaufen und auch vermehrt Speichel zu produzieren.

Auch diese Übermenge kann auf den ersten Blick wie Schaum aussehen.

10. Tollwut

Eigentlich gilt die Tollwut im deutschsprachigen Raum als ausgerottet: Dass dein Vierbeiner deswegen Schaum vorm Mund hat, ist also eigentlich sehr unwahrscheinlich. In manchen Fällen muss die Möglichkeit aber dennoch in Erwägung gezogen werden.

Ausführliche Infos

Mehr über die Krankheit und das Verbreitungsgebiet findest Du auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts.

Denn die Krankheit grassiert noch in einigen Ländern. Solltest Du mit deinem Vierbeiner eine Reise in eine Tollwut-Region unternommen oder von dort einen Straßenhund adoptiert haben, ist eine Infektion durchaus möglich.

Die Inkubationszeit dieser tückischen und hoch ansteckenden Krankheit ist nämlich ziemlich lang – es kann bis zu 10 Wochen dauern, bis erste Symptome auftreten. Neben Schaum umfassen diese dann auch noch z.B. Lethargie und/oder aggressives Verhalten sowie Lähmungserscheinungen.

Impfung kann Leben retten

Vor der Reise in ein Risikogebiet solltest Du deinen Vierbeiner auf jeden Fall gegen Tollwut impfen lassen, da eine Infektion den sicheren Tod bedeuten würde!

11. Tumore im Maulbereich

Auch Tumore im Maulbereich können dafür verantwortlich sein, dass Schaum entsteht. Sind die Geschwüre einmal gewachsen, behindern sie den Speichelfluss und das Schluckvermögen. Deshalb läuft mehr Speichel nach draußen, der dann oft schaumig aussieht.

Zu den am weitesten verbreiteten Tumoren in dieser Gegend gehören:

  • Melanome
  • Plattenepithelkarzinome und
  • Fibrosarkome.

Leider sind die meisten dieser Tumore bösartig, eine sehr frühe Erkennung kann also Leben retten!

Schaum vs. weißer Auswurf

Schaumiger Speichel kann auf den ersten Blick weißem Auswurf sehr ähnlich sehen: Manche Ursachen sind auch identisch, gelegentlich gibt es aber auch Unterschiede.

Wenn bei deinem Liebling dieses Symptom auftritt, kann ich dir deshalb auch unseren Artikel zum Thema “Hund würgt weißen Schleim” empfehlen.

6 Lösungen gegen ein schaumiges Hundemaul

Bei dem vermeintlichen Schaum vor dem Mund handelt es sich in den meisten Fällen also um starken, mehr oder weniger unkontrolliert nach draußen dringenden Speichelfluss. Die Ursachen hierfür sind sehr vielfältig: In den meisten Fällen handelt es sich zwar um eher harmlose Gründe, manchmal stecken aber auch sehr gefährliche Krankheiten dahinter.

Welche Lösung möglich und angebracht ist, hängt vor allem von der Ursache ab. Deshalb musst Du deinen Vierbeiner genau beobachten und auch auf mögliche weitere Symptome achten.

Je nach Ergebnis könnte dann eine der folgenden 6 Strategien in Frage kommen.

1. Auf zum Tierarzt

Solltest Du dir unsicher sein, was den Schaum vor dem Mund verursacht, musst Du auf jeden Fall zum Tierarzt. Er wird anhand der geschilderten Symptome Untersuchungen vornehmen und dann eine Diagnose stellen.

Auf jeden Fall zum Tierarzt musst Du bei Verdacht auf

  • Tollwut (keine Behandlung möglich, im Regelfall Einschläferung)
  • Vergiftungserscheinungen (Notfall)
  • Epilepsie
  • Fortgeschrittenen Zahnkrankheiten
  • Tumoren
  • Fremdkörper, die nicht ausgeschieden werden (bei Atemnot Notfall).

In vielen Fällen ist eine Therapie möglich, die das Leben des Hundes deutlich verlängern bzw. die Lebensqualität verbessern kann. In anderen Fällen kann der Tierarzt dir aber auch Entwarnung geben und mit wertvollen Tipps behilflich sein.

2. Futterwechsel

In manchen Fällen kann aber auch ein Futterwechsel ein Schritt in die richtige Richtung sein. Er ist vor allem dann eine (Mit-)Lösung, wenn der Vierbeiner über längere Zeit immer wieder vermeintlich Schaum vor dem Mund hat.

Helfen kann so ein Schritt z.B. bei

Eine derartige Umstellung kann für den Hund aber auch sehr stressig sein: In vielen Fällen muss sich die Verdauung erst an die neue Nahrung gewöhnen, was in den ersten Tagen zu Verdauungsproblemen und noch mehr Schaum vorm Mund führen kann. Deshalb solltest Du deinen Vierbeiner am besten nicht mit zu vielen neuen Sorten beehren.

3. Verbesserte Zahnpflege

Sollten die Zähne der Grund für übermäßigen Speichel sein, hilft vor allem eine bessere Gebisspflege. Du solltest das Maul deines Liebling also regelmäßig inspizieren und auf Abnormalitäten oder Fremdkörper achten – Splitter lassen sich z.B. oft recht einfach herausziehen.

Gegen Zahnstein helfen weiterhin oft Strategien wie Zähneputzen oder Dental-Sticks für Hunde. Bei fortgeschrittenem Befall kann aber nur der Tierarzt helfen.

Mehr zum Thema

Weitere Infos findest Du in unserem Artikel “Zahnpflege beim Hund”.

4. Beruhigungsmittel & Reisetabletten

Wenn dein Hund aufgrund von sichtbarer Nervosität speichelt oder vor allem in Fahrzeugen Schaum vorm Mund bekommt, können auch einige Spezialpräparate helfen.

Psychopharmaka sollten nur verabreicht werden, wenn sie vom Tierarzt ausdrücklich verschrieben wurden. Als Alternative bieten sich vor allem Mittel mit pflanzlichen Wirkstoffen an, die den Vierbeiner beruhigen, ohne ihn zu betäuben.

Weitere Infos

Für mehr zum Thema kann ich dir gleich zwei Artikel empfehlen:

5. Hund schonen

Bei Nervosität und Reisekrankheit ist es zudem sehr sinnvoll, den Hund mehr zu schonen. Das bedeutet z.B.:

  • Autofahrten und andere Reisen sollten auf ein Minimum reduziert werden
  • Rückzugsorte wie Hundehöhlen oder bequeme orthopädische Hundebetten sorgen für mehr Schlaf und Ausgleich
  • Weniger Lärm und Trubel im Haus
  • Änderung der Gassiroute, z.B. auf einen Weg mit weniger dominanten Artgenossen unterwegs.

Natürlich kommen auch noch weitere Lösungsmöglichkeiten in Betracht. Bei starken Problemen könnte auch der Besuch eines Hundeverhaltensberaters interessant sein.

Diese Profis analysieren nicht nur das Verhalten des Hundes und erkennen so oft Ursachen, die wir als Hundehalter kaum bemerken: Sie nehmen auch das Zusammenleben Mensch-Haustier unter die Lupe und geben im Anschluss wertvolle Tipps für mehr Harmonie im Haushalt.

6. Für Abkühlung sorgen

Bei drohender Überhitzung hilft vor allem Abkühlung: In geschlossenen Räumen bedeutet das vor allem, dass Du die Fenster öffnen und regelmäßig gut durchlüften solltest. Weiterhin ist es hilfreich, die Heizung herunter zu drehen.

Im Freien solltest Du dann darauf achten, dass der Vierbeiner immer einen schattigen Ruheplatz hat, übermäßige körperliche Anstrengungen sollten an heißen Tagen auf jeden Fall unterbleiben. Zudem muss der Hund dann immer viel trinken – der beim Hecheln erzeugte Wasserdampf kühlt nämlich das Innere des Körpers.

Kühlmatten für Hunde

Auch Kühlmatten können interessant sein: Sie enthalten ein spezielles Gel, das die Temperatur zuverlässig um einige Grad herunterkühlt. Durch die Pfotenballen gerät die Temperatursenkung dann auch ins Innere des Hundes.

Mehr dazu findest Du auch in unserem “Kühlmatten für Hunde” Artikel.

FAQs

Was ist wenn ein Hund aus dem Mund schäumt?

Bei dem Schaum, der aus dem Maul eines Hundes kommt, handelt es sich eigentlich um Speichel. Oft fließt er aus eher harmlosen Gründen wie Übelkeit, Angst, Nervosität oder Zahnproblemen heraus. Gelegentlich stecken aber auch lebensgefährliche Sachen wie Vergiftungen, Tumore oder feststeckende Fremdkörper dahinter. Tollwut kommt hingegen kaum noch als Ursache in Betracht.

Weiterführende Studien

[1]: https://core.ac.uk/download/pdf/226141359.pdf#page=434
[2]: https://www.researchgate.net/publication/266913927_A_cohort_study_of_epilepsy_among_665000_insured_dogs_Incidence_mortality_and_survival_after_diagnosis .

Über den Autor Sven Kohler
Über den Autor Sven Kohler

Sven schreibt leidenschaftlich gerne über alles, was seine liebsten haarigen Freunde angeht. Am Herzen liegen ihm dabei Hundeerziehung, -Gesundheit und natürlich -Ernährung- die absolute Grundlage für ein glückliches Hundeleben. Und da es auch eine schier unendliche Anzahl an Zubehör und Spielzeug gibt, macht sich Sven die Mühe und stellt Euch seine liebsten Produkte im Test vor.