Warum leckt mein Hund mich immer ab? Gründe & Lösungen

Teile den Artikel:

Wenn ein Hund seine menschlichen Familienmitglieder immer wieder ableckt, sind die Reaktionen sehr unterschiedlich: Die einen lieben es, von ihrem Vierbeiner Küsschen zu bekommen, andere werden dadurch eher angewidert.

Die Ursachen für dieses Verhalten sind meistens sehr positiv, wie Du in diesem Artikel erfahren wirst. Allerdings ist es nicht frei von Risiken, wenn der Hund dich überall abschleckt.

Manchmal lohnt es sich daher auch, das Tier davon abzuhalten. Auch Tipps, wie dir dies gelingt, erfährst Du in diesem Text.

Ablecken: Ein Zeichen der Zuneigung

Wenn dein Hund dich immer wieder abschleckt, geschieht dies meistens zu zwei Anlässen:

  • Zum einen ist dieses Verhalten bei der Begrüßung, also z.B. nach dem Aufstehen oder nach der Rückkehr von draußen der Fall.
  • Andererseits “bearbeiten” viele Tiere ihre Halter auch in ruhigen Situationen zu zweit, also beispielsweise beim Kuscheln, mit der Zunge.

Wenn das Tier “nur” dich und/oder andere Bezugspersonen als Ziel hat, ist das Lecken eigentlich immer ein Zeichen der Zuneigung – Du solltest dir also keine großen Sorgen machen, dass mit deinem Liebling etwas nicht stimmen könnte.

Etwas anders sieht es aus, wenn der Hund planlos fast alles ableckt: Dann sind nicht nur Menschen in seinem Fokus, sondern auch Gegenstände wie Möbel, Teppiche und Fliesen. Diese Verhaltensweise kann auch durch psychische oder sogar körperliche Leiden begünstigt werden – mehr zum Thema kannst Du hier finden.

Normales Verhalten von Hundemüttern & Welpen

Das Abschlecken von geliebten Bezugspersonen ist für Hunde aber eigentlich völlig normal. Das Verhalten ist den Tieren sozusagen in die Wiege gelegt: Lecken gehört zu den frühesten sozialen Interaktionsmustern, die Hunde kennen.So lecken Hundemütter ihre Welpen regelmäßig ab. Auch gegenseitig bearbeiten die Hundekinder sich gerne mit der Zunge. Das hat gleich mehrere Vorteile:

  • Einerseits hält sich die Hundefamilie so gegenseitig sauber, es ist also eine Hygienemaßnahme.
  • Andererseits geben die Tiere so auch ihren Geruch aneinander weiter und geben sich so das Gefühl, eine echte Familie zu sein.

Wenn dein Hund dich freudig abschleckt, integriert er dich also sozusagen in sein Familiengefüge.

Auch ältere Tiere lecken sich manchmal ab

Aber auch ältere Hunde lecken sich manchmal ab. Dann wird die Zunge als Kommunikationsmittel genutzt. So lässt sich oft beobachten, dass ein rangniedriges Tier seinen Artgenossen um das Maul herum abschleckt.

Auf diese Weise signalisieren die Vierbeiner Unterwürfigkeit. Weiterhin nutzen Hunde die Zunge oft instinktiv beim Spiel: Wenn sie merken, dass sie ein sensibles Körperteil “erwischt” haben, knabbern oder beißen sie nicht mehr, sondern lecken.

Signalisiert Freude, Unterwürfigkeit & Vertrauen

Dasselbe wollen Hunde dann auch signalisieren, wenn sie dich ablecken: Sie zeigen damit ihre Freude, dich sehen zu können, und drücken auch ihre Unterwürfigkeit aus. Ein Vierbeiner, der dich ableckt, hat dich also als ranghöheres Familienmitglied oder sogar als Rudelführer akzeptiert.

Weiterhin zeigt das Ablecken auch, dass der Hund großes Vertrauen zu dir hat. Wenn Du es zulässt, gibst Du dieses auch an den Vierbeiner zurück, das Verhalten kann also auch die Bindung zwischen euch beiden stärken.

Haschen nach Aufmerksamkeit

In manchen Fällen handelt es sich aber nicht ausschließlich um eine freudige Geste: Es ist auch möglich, dass der Hund einen kleinen egoistischen Hintergedanken hat. So nutzen manche Hunde ihre Zunge auch, wenn sie sich etwas vernachlässigt fühlen.

Dann lecken sie meistens behutsam die Hand, manchmal sind auch Beine oder Füße das Ziel. Gewöhnlich wollen sie dann, dass Du dich um sie kümmerst, also z.B. mit ihnen spielst. Es kann aber auch sein, das der Hund dir einfach nur etwas Interessantes zeigen möchte, dass er entdeckt hat.

Diese Kommunikationsform wird von manchen Hundehaltern zwar als etwas aufdringlich wahrgenommen, ist aber für den Vierbeiner sehr höflich: Im Vergleich zum Anstupsen oder sogar Bellen zeigt das Tier mit dem Lecken sehr viel Respekt.

Manchmal kann auch Appetit eine Rolle spielen

Gelegentlich spielt aber auch Appetit eine Rolle. Wenn Du gerade etwas Leckeres gegessen hast, ist es so gut möglich, dass der Hund ein paar Essensreste schnuppert und dann gerne seinen Anteil hätte.

Dann leckt er mit Vorliebe die Finger ab, auch um die Mundwinkel herum drohen dann “Schlabber-Attacken”.

Ist Ablecken durch den Hund gefährlich?

Wenn der Hund dir mit der Zunge seine Zuneigung zeigen möchte, hat er also wirklich gute Absichten. Viele Tierfreunde stört es dann auch gar nicht, sie sehen die Schleck-Attacken eher als Küsschen der Vierbeiner.

Das bedeutet aber nicht, dass das Ablecken nicht auch Kritiker hat. Einige Hundehalter finden es doch sehr unangenehm, wenn sie von ihrem Vierbeiner derartig in die Mangel genommen werden. Dabei spielen nicht nur hygienische Bedenken eine Rolle, sondern auch die Angst vor Krankheiten, die durch den Hundespeichel übertragen werden könnten.

Teilweise liest man dann in den Medien auch wahre Horrorgeschichten von Hundebesitzern, die durch die freundliche Geste ihres Vierbeiners schwer krank geworden oder sogar gestorben sind. Auch, wenn es sich dabei um extreme Ausnahmefälle handelt, stellt sich dann die Frage: Wie gefährlich ist die Zunge des Hundes?

Hundespeichel hat gewisse antibakterielle Eigenschaften

Erfreulicherweise ist Hundespeichel besser als sein Ruf: Eine 1990 veröffentlichte US-amerikanische Studie hat so beispielsweise herausgefunden, dass er durchaus leichte antibakterielle Eigenschaften hat. So helfen sie dem Hund beispielsweise, sich oder seine Welpen von Keimen wie Escherichia coli oder Streptococcus canis zu befreien. Auch Immunglobulin-Antikörper lassen sich bei einer Speichelanalyse der Vierbeiner nachweisen.

Das erklärt auch, warum verletzte Hunde gerne ihre Wunden lecken: Ohne tierärztliche Behandlung erhöhen sie damit ihre Überlebenschancen ungemein, da das Risiko für Wundinfektionen gesenkt wird. Vor Ankunft moderner Medizin hatte der Speichel der Vierbeiner auch unter Heilkundigen einen guten Ruf: Im Mittelalter gab es so viele Ärzte, die ihren erkrankten Patienten “verschrieben”, sich von ihrem Hund ablecken zu lassen.

Zunge kann auch Krankheitserreger & Parasiten übertragen

Trotz dieser kleineren antibakteriellen Eigenschaften sollte man aber nicht den Fehler machen, die Risiken von Hundespeichel zu ignorieren: Neben Antikörpern lassen sich oft nämlich auch Krankheitserreger nachweisen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Das Bakterium Pasteurella multocida, das bei Hunden meistens keine Symptome hervorruft, mit Pech aber bei Menschen zu lebensgefährlichen Blutvergiftungen oder Lungen-, Knochen- und Hirnhautentzündungen führen kann.
  • Die Capnocytophaga canimorsus Bakterien, die Teil der Mund-Nasen-Flora sind, bei Menschen aber u.a. für Herzprobleme verantwortlich sein kann.
  • Magen-Darm-Bakterien wie E.Coli, Salmonellen oder Campylobacter.

Weiterhin werden gelegentlich auch Parasiten wie Würmer durch das Ablecken von Hund auf Mensch übertragen. Einige Schmarotzer sind in unserem Körper nicht überlebensfähig, andere – z.B. der Fuchsbandwurm – finden aber auch in uns hervorragende Wirte.

Wenn ein Krankheitserreger von Tieren auf Menschen oder umgekehrt wechselt, sprechen Experten auch von einer Zoonose.

Wenn dein Hund gerne schleckt, sollte entwurmt werden

Sollte dein Vierbeiner viel unterwegs sein und dich gerne ablecken, solltest Du das Tier deshalb auf jeden Fall regelmäßig entwurmen lassen. Mehr zum Thema “Entwurmungsmittel” kannst Du auch hier finden.

Schleimhautkontakt vermeiden

Diese Zoonosen werden ähnlich übertragen wie Krankheitserreger, die von Mensch zu Mensch übergehen: Je näher Du den Hund an dich lässt, desto wahrscheinlicher ist deshalb eine (Tröpfchen-)Infektion.

Wenn der Hund gerne deine Hände ableckt, solltest Du dir diese deshalb auf jeden Fall regelmäßig mit Seife waschen. Für unterwegs lohnt sich oft auch der Kauf einer praktischen Desinfektionsmittels für die Hände.

Eher vermeiden solltest Du den Kontakt zwischen Hundezunge und Schleimhäuten: Viele Tiere lecken mit Vorliebe die Lippen oder die Nasenlöcher ihrer menschlichen Bezugspersonen. Wenn Du dir Sorgen um eine Ansteckung machst, solltest Du den Hund am besten nicht in die Nähe deines Gesichts lassen.

Fremden Hunden mit Skepsis begegnen

Sehr skeptisch solltest Du auch bei freundlichen Hunden sein, die Du nicht kennst: Manche Vierbeiner sind sehr aufgeschlossen und wollen dir gleich ihre Zuneigung mit ausgiebigem Lecken zeigen. Da man nie wissen kann, wie das Tier gepflegt wird, besteht dann aber ein deutlich erhöhtes Risiko von Krankheitsübertragungen.

Vorsicht bei Wunden & geschwächtem Immunsystem

Besondere Vorsicht solltest Du walten lassen, wenn Du eine offene Wunde hast. Wenn der Hund diese leckt – und das kann nicht nur aus Zuneigung, sondern auch aus Hilfsbereitschaft geschehen – ist die Infektionsgefahr sehr hoch.

Weiterhin musst Du wirklich vorsichtig sein, wenn Du ein geschwächtes Immunsystem aufweist: Die meisten lebensgefährlichen oder tödlichen Fälle, die mit Hunde-Ablecken in Verbindung gebracht werden, betreffen Menschen, die bereits unter Vorerkrankungen gelitten haben.

Kleinkinder & Schwangere sollten geschont werden

Auch Kleinkinder unter 5 Jahren und insbesondere Schwangere sollten sich im Zweifelsfall lieber nicht vom Hund ablecken lassen: Bei ihnen ist die Gefahr, von einer Zoonose befallen zu werden, besonders hoch.

Speichel als Allergen

Weiterhin gibt es einige Menschen, die auf Hunde allergisch reagieren. Dann wird oft ein vermeintlich hypoallergener Hund angeschafft, der nicht haart. Der Begriff “Tierhaarallergie” ist allerdings etwas irreführend, denn meistens werden die empfindlichen Reaktionen nicht vom Fell, sondern vom Speichel des Hundes verursacht.

Wenn Du Allergiker bist, solltest Du deshalb auf jeden Fall darauf verzichten, dich vom Hund ablecken zu lassen.

Weitere Vorsichtsmaßnahmen

Um die Gefahr, dass der Hundespeichel dir Schaden zufügt, zu minimieren, solltest Du auch noch auf ein paar andere Vorsichtsmaßnahmen Wert legen:

  • Wähle beim Welpenkauf einen seriösen, familiären Züchter, denn Campylobacter werden oft durch Welpen übertragen, die unzureichend gehalten wurden.
  • Achte im Haus auf Sauberkeit.
  • Lass’ den Hund nicht in deinem eigenen Bett schlafen, sondern gönne ihm ein eigenes Reich.
  • Wasche alle Decken und sonstigen Textilien, mit denen der Hund in Kontakt kommt, regelmäßig (idealerweise mit 60 Grad oder mehr).
  • Wenn Du einer Risikogruppe angehörst, ist es bei Beschwerden immer ratsam, sofort zum Arzt zu gehen.

Was kann ich tun, damit mein Hund mich nicht mehr abschleckt?

Wir können also festhalten: Der Hund hat wirklich nur die besten Absichten, wenn er dich ableckt. Leider können aber auch diese ihre Komplikationen mit sich bringen – wenn Du auf Nummer sicher gehen möchtest, ist es daher sehr ratsam, auf die Liebesbekundungen deines Vierbeiners so weit wie möglich zu verzichten.

Das betrifft insbesondere sensible Bereiche wie das Gesicht. Aber wie kriegt man hin, dass der Hund einen nicht mehr ablecken möchte?

Konsequenz von Kindesbeinen an

Leider ist das Problem oft hausgemacht: Wenn ein Welpe uns abschleckt, lassen wir das oft sehr gerne über uns ergehen oder freuen uns sogar, dass er uns derart lieb hat. Das merkt sich das Tier natürlich – wenn er uns in jungen Jahren eine Freude machen kann, so seine Logik, werden wir auch im Alter entzückt darüber sein.

Allerdings wächst ein Hund in dieser Zeit beträchtlich – erwachsen ist er eben deutlich größer und hat auch beträchtlich mehr Speichel. Wenn ein Bernhardiner-Welpe uns abschleckt, ist das eben eine ganz andere Hausnummer als eine Leck-Attacke durch einen ausgewachsenen Riesenhund.

Um Komplikationen im Erwachsenenalter zu vermeiden, ist es deshalb sehr ratsam, von Beginn an konsequent zu sein: Wenn Du bereits im Welpenalter klar machst, dass seine Zunge bei dir nichts zu suchen hat, ist das eine klare Ansage, mit der er meistens leben kann. Zumindest sensible Bereiche bleiben dann im Regelfall unangetastet.

Ignorieren als beste Maßnahme

Das geht am besten, indem Du den Vierbeiner ignorierst, sobald er mit der Zunge nach dir schnappt. Das bedeutet:

  • Du schaust weg
  • redest nicht mit ihm und
  • belohnst ihn auch nicht mit Streicheleinheiten.

Der Hund lernt so, dass sein überschwängliches Verhalten nicht von dir positiv quittiert wird, mit der Zeit legt sich das Benehmen dann auch.

“Lecken auf Kommando” trainieren

Weiterhin ist es auch möglich, den Hund so zu trainieren, dass er auf Kommando leckt bzw. damit aufhört.

  • Dafür bestreichst Du deine Hand/deinen Finger z.B. mit etwas Wurst oder Erdnussbutter und gibst ihm das “Sitz”-Kommando.
  • Mit einer prägnanten Aufforderung wie “Leck’” oder “Küsschen” bittest Du ihn dann darum, dich abzuschlecken.
  • Mit einem Kommando wie “Stopp” löst Du die Situation dann wieder auf. Anschließend wird der Hund mit einem Leckerli belohnt.

FAQs

Warum leckt mein Hund immer meinen Mund?

Hunde lecken gerne das Maul von höherrangigen Artgenossen, um ihnen ihre Unterwürfigkeit zu demonstrieren. Wenn der Vierbeiner mit seiner Zunge um deinen Mund schleckt, ist das also eigentlich eine tolle Geste: Er erkennt sich so als Rudelführer an. Manchmal kann es aber auch sein, dass er einfach nur Appetit hat, dann hast Du nach einer Mahlzeit wahrscheinlich vergessen, dir das Gesicht zu reinigen.

Beim Kontakt mit den Lippen und anderen Schleimhäuten besteht aber auch größere Gefahr, dass Krankheiten übertragen werden. Viele Hundehalter lassen so ein Verhalten deshalb nicht zu.

Hat ein Hund mehr Bakterien im Mund als ein Mensch?

Im Grunde ist ein Hundemaul nicht mehr oder weniger Keimherd als ein Menschenmund. Eine kleine Studie aus der Schweiz hat so z.B. ergeben, dass Hunde im Schnitt deutlich weniger Bakterien aufwiesen als barttragende Männer. Allerdings kommt es nicht immer auf die Anzahl der Krankheitserreger an: Da Hunde einige Bakterien im Maul haben, die bei Menschen gefährlich werden können, sollten es sich insbesondere Mitglieder von Risikogruppen gut überlegen, ob sie zulassen, dass ihr Vierbeiner sie abschleckt.

Wie sauber ist Hundespeichel?

Hundespeichel hat gewisse antibakterielle Eigenschaften, kann aber auch Krankheitserreger übertragen. Insbesondere bei Menschen mit Verletzungen oder geschwächtem Immunsystem, Kleinkindern und schwangeren Frauen besteht daher das erhöhte Risiko, an einer Zoonose zu erkranken, wenn der Vierbeiner sie unkontrolliert abschleckt.

Teile den Artikel:

Über den Autor Sven Kohler
Über den Autor Sven Kohler

Sven schreibt leidenschaftlich gerne über alles, was seine liebsten haarigen Freunde angeht. Am Herzen liegen ihm dabei Hundeerziehung, -Gesundheit und natürlich -Ernährung- die absolute Grundlage für ein glückliches Hundeleben. Und da es auch eine schier unendliche Anzahl an Zubehör und Spielzeug gibt, macht sich Sven die Mühe und stellt Euch seine liebsten Produkte im Test vor.