Dein Hund verhält sich komisch nach Impfung? 9 Symptome & Tipps 2022

Impfungen für Hunde sind ein heißes Thema: Viele Hundehalter sehen sie eher skeptisch und hören Berichte von anderen Tierfreunden, dass ihre Hunde nachher etwas komisch gewesen sein sollen. Das ist allerdings weitgehend unbegründet, denn die meisten Impfreaktionen von Hunden sind völlig harmlos und nur von kurzer Dauer.

Trotzdem ist es gut zu wissen, was einen nach einem Piekser erwarten kann: Im Folgenden findest Du deshalb die 9 häufigsten Symptome, die Hunde nach einer Impfung oft zeigen.

9 typische Impfreaktionen beim Hund

1. Hund hat Fieber

Wie Menschen reagieren auch Hunde häufig mit Fieber auf eine Impfung. Dabei handelt es sich meistens um eher niedrige erhöhte Temperaturen – bei Vierbeinern sind es gewöhnlich um die 39,5 bis 40 Grad.

Diese Reaktion ist nicht nur harmlos, sondern sogar gewollt: Das Impfserum simuliert im Körper eine ungefährliche “Mini-Infektion” und testet das Immunsystem. Schlägt es gegen den vermeintlichen Krankheitserreger an, ist Fieber eine ganz normale Abwehrreaktion.

Bei den meisten Impfungen tritt Fieber wenige Stunden nach der Injektion auf und klingt nach kurzer Zeit wieder ab.

Video mit guten Gründen für Haustier-Impfungen. Quelle: MSD Tiergesundheit / https://www.youtube.com/watch?v=ukN0ayGd08o .

2. Lethargie & schlapper Zustand

Aufgrund der durch den Impfstoff provozierten Immunreaktion braucht der Körper des Hundes viel Kraft, um sich auf die vorgespielte Krankheit einstellen zu können. Dementsprechend hat der Organismus keine Zeit mehr, um herumzutollen oder sehr aktiv zu sein.

In der Praxis sieht das dann so aus, dass das Tier einen sehr schlappen Eindruck macht und eher lethargisch ist. Auch Gliederschmerzen können auftreten, der Hund hat dann z.B. Schmerzen am Bein. Du solltest dich also nicht wundern, wenn dein Liebling in den ersten Tagen nach der Impfung mehr schläft als sonst und nicht viel Lust auf ansonsten geliebte Aktivitäten hat.

3. Schwellungen an der Einstichstelle & Juckreiz

Weiterhin kann es – auch noch Tage nach der Impfung – vorkommen, dass der Vierbeiner meist im Nackenbereich eine Schwellung aufweist. Im Verlauf kommt häufig auch noch Juckreiz dazu, so dass der Hund sich unentwegt versucht, an einer Stelle zu kratzen.

Dies ist meist ein sekundärer Effekt: Er kommt also nicht von der Impfung selbst, sondern von der Injektion.

4. Entzündungen

Gelegentlich kommt es dann vor, dass der Hund länger mit der Einstichstelle zu kämpfen hat: Die Schwellung will dann einfach nicht weggehen, wenn Du versuchst, ihn dort zu berühren, reagiert der Vierbeiner oft auch abweisend bis aggressiv – er hat dann Schmerzen.

Grund hierfür ist wahrscheinlich, dass sich die Einstichstelle entzündet hat. Leider kann man den Fellnasen nur schwierig ein Pflaster aufsetzen, das hält – dementsprechend einfaches Spiel haben Bakterien und andere Keime.

Besonders betroffen sind dann Hunde, die ansonsten eher milde Impfreaktionen gezeigt haben. Sie waren nach dem Einstich wahrscheinlich sofort wieder aktiv und dementsprechend Dreck und anderen Risikofaktoren stärker ausgesetzt.

5. Verdauungsprobleme

Einige Hunde leiden nach einer Impfung auch unter Verdauungsproblemen. Das kann einerseits mit der Krankheit zusammenhängen, gegen die das Tier immunisiert wurde: Eine harmlose und milde “Simulation” der ansonsten lebensgefährlichen Parvovirose kann dann z.B. auch zu Durchfall führen.

Ein weiterer Grund für Symptome wie Übelkeit, Brechreiz und Durchfall ist allerdings der Stress, den die Immunabwehr verursacht. Der Hundekörper ist dann sozusagen in Alarmbereitschaft, was Stresshormone freisetzt. Diese wiederum kurbeln u.a. die Magensäureproduktion stark an, was den Verdauungstrakt ganz schön aus der Bahn bringen kann.

6. Schnupfen & Atemwegsprobleme

Bei einigen Impfungen gehört auch Schnupfen zur Grundimmunisierung dazu. Vereinzelt können auch leichte Atemwegsprobleme, z.B. Husten, auftreten.

Auch diese Beschwerden klingen gewöhnlich nach kurzer Zeit wieder ab und der Hund ist gegen schwere Krankheiten geschützt.

7. Allergische Reaktionen

Es gibt aber auch wenige Fälle, in denen der Hund auf ein Impfserum allergisch reagiert.

Eine leichtere Nebenwirkung ist dann Hautausschlag, der wie Nesselsucht aussieht und auch Juckreiz hervorruft. Auch dieser sollte innerhalb weniger Tage verschwinden.

In Zukunft Bescheid sagen

Sollte dein Hund einmal eine allergische Reaktion auf eine Impfung gezeigt haben, musst Du den behandelnden Tierarzt auch in Zukunft informieren. Dann kann er oft ein Vakzin wählen, das für den Vierbeiner schonender zusammengesetzt ist.

8. Hund ist nervös & ängstlich

Viele Hundehalter berichten, dass ihr Liebling nach der Impfung wie ausgewechselt wirkten: Sie wären dann plötzlich sehr nervös und ängstlich gewesen, auch von Verhaltensauffälligkeiten wird berichtet.

Allerdings gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass die Impfung an sich etwas damit zu tun haben könnte. Viel wahrscheinlicher ist es, dass der Tierarztbesuch mit Spritze an sich dem Hund zu schaffen macht: Besonders die erste Sprechstunde kann für einen Hund eine ziemlich prägende Erfahrung sein.

9. Anaphylaktischer Schock

Sehr selten kommt es aber auch vor, dass ein Hund aufgrund einer Impfung einen anaphylaktischen Schock erleidet. Dieser ist mit die gefährlichste Nebenwirkung überhaupt: Der Hund verliert nicht nur das Bewusstsein, oft versagen dann auch lebenswichtige Organe.

So ein Kollaps tritt allerdings sehr zeitnah auf – gewöhnlich bis zu 15 Minuten nach der Injektion.

Im Regelfall befindet ihr euch dann noch in der Praxis. Einen guten Eindruck dafür, wie selten diese Reaktion ist, bietet eine groß angelegte japanische Studie: Sie kam zu dem Schluss, dass pro 100.000 Hunden gerade einmal 0,15 einen anaphylaktischen Schock bekommen. Von einer Million geimpfter Vierbeiner ist im Schnitt lediglich einer daran gestorben.

Das kannst Du tun, um deinen Vierbeiner zu unterstützen

Impfreaktionen bei Hunden sind in fast allen Fällen völlig harmlos und sollten dich auf keinen Fall davon abhalten, deinen Liebling und seine Umgebung zu schützen. Trotzdem kann es schon eine Herausforderung sein, wenn das Tier auf einmal komisch drauf ist.

Einfach zur Tagesordnung übergehen darfst Du dann auf keinen Fall. Stattdessen geht es darum, das zu tun, was dein Vierbeiner im Einzelfall benötigt.

1. Den Hund ausruhen lassen

In den meisten Fällen solltest Du auf jeden Fall den Hund nach der Impfung schonen. Längere Spaziergänge oder sogar Sport sollten auf jeden Fall aufgeschoben werden, wenn der Hund leichte Symptome zeigt.

In den meisten Fällen wird dir die Fellnase schon zu wissen geben, wann sie wieder einsatzbereit ist: Sobald der Hund wieder Appetit hat und leistungsfähig wirkt, spricht nichts dagegen, ihn wieder artgerecht zu belasten.

2. Viel zu trinken geben

Weiterhin sollte ein derartig geschwächter Hund auf jeden Fall viel zu trinken bekommen. Einerseits trocknen die Tiere dann nämlich aufgrund ihrer leicht erhöhten Körpertemperatur aus, andererseits können auch Magen-Darm-Probleme wie Brechreiz und Durchfall zu einer Dehydrierung beitragen.

Wenn dein Liebling gerade “bettlägerig” ist, solltest Du ihm auf jeden Fall den Wassernapf an den Schlafplatz stellen. Auch das zeitweilige Einweichen von Trockenfutter kann dem Hund mehr Flüssigkeit zuführen.

3. Infektionsgefahren minimieren

Sollte dein Hund Probleme mit einer Einstichstelle haben, ist es ratsam, das Infektionsrisiko so weit wie möglich zu minimieren. So ist es empfehlenswert, ihn zunächst nicht mit Artgenossen spielen zu lassen, auch freier Auslauf ohne Leine ist dann eher unangebracht.

Weiterhin kann es im Einzelfall angebracht sein, den betroffenen Bereich z.B. mit Spray zu desinfizieren oder eine entzündungshemmende Salbe wie Povidon-Iod aufzutragen. Bei Juckreiz hilft gelegentlich auch eine Halskrause.

Mehr zum Thema

Viele dieser Artikel finden sich in einem gut ausgerüsteten Hunde Verbandskasten, der eigentlich Pflicht für jeden verantwortungsbewussten Halter ist. Mehr dazu findest Du auch in unserem “Erste Hilfe Set für Hunde Test und Vergleich”.

4. Mit Schonkost aufpäppeln

Sollte der Hund unter Erbrechen oder Durchfall gelitten haben, hilft es zudem, ihn langsam wieder an sein normales Futter heranzuführen. Zum Aufpäppeln nutzen viele – meist selbst gekochte – Schonkost.

Sie ist besonders leicht verdaulich und bietet dem Vierbeiner – zumindest für die kurze Rekonvalenz-Zeit – alle Nährstoffe, ohne dass Magen und Darm über Gebühr belastet werden.

5. Bei längeren Nebenwirkungen: Zurück zum Tierarzt

Sollten die Nebenwirkungen über längere Zeit anhalten, unerträglich werden oder noch weitere Symptome auftreten, solltest Du nicht zögern und nochmals zum Tierarzt.

Der Experte kann genau bestimmen, ob der Zustand deines Lieblings etwas mit der Impfung zu tun hat oder nicht. Weiterhin kann er auch entzündungshemmende, schmerzstillende und/oder fiebersenkende Medikamente verschreiben.

Vorteile einer Impfung überwiegen deutlich

Im deutschsprachigen Raum gibt es keine Impfpflicht für Hunde. Das bedeutet aber nicht, dass die Vierbeiner nicht geschützt werden sollten. Erfreulicherweise sehen Hundehalter das sehr ähnlich: Eine deutsche Studie, an der u.a. 1480 Hundebesitzer teilnahmen, ergab z.B., dass über 98 Prozent der Befragten ihren Hund als Familienmitglied ansehen, sie lassen ihre Vierbeiner größtenteils dann auch wie ein Kind impfen.

Und das ist auch gut so, denn im Vergleich zu den wahrscheinlichen Nebeneffekten einer Impfung überwiegen die Vorteile deutlich.

Maßgeblich für die Impfempfehlungen in Deutschland ist die “Ständige Impfkommission Veterinärmedizin” (StIKo Vet), die am Friedrich-Loeffler-Institut in Greifswald angesiedelt ist.

Die Hinweise dieser Expertengruppe verändern sich von Zeit zu Zeit, so wird eine Tollwutimpfung, die früher absolute Pflicht schien, aufgrund der Fortschritte gegen die Krankheit 2022 “nur” noch optional empfohlen.

Die StIKo Vet empfiehlt 2022 folgende Grundimmunisierung

Core-Impfungen (eigentlich Pflicht):
  • Leptospirose
  • Parvovirose
  • Staupe.
Unter bestimmten Bedingungen empfohlene Non-Core-Impfungen:
  • Bordetella-Infektionen
  • Hepatitis contagiosa canis
  • Parainfluenza
  • Tollwut.
In Einzelfällen sinnvolle Non-Core-Impfungen:
  • Dermatophytosen
  • Canine Herpesvirus- infektionen
  • Leishmaniose
  • Lyme-Borreliose.

Quelle: StIKo Vet am FLI: Leitlinie zur Impfung von Kleintieren, 5. Auflage.

“Nebenwirkungen” bei weitem nicht so schlimm wie Krankheiten

Denn die Krankheiten, gegen die fast alle Vierbeiner geimpft werden, sind alles andere als ein Zuckerschlecken: Seuchen wie die Staupe werden auch in Deutschland von Wildtieren verbreitet, sind höchstansteckend und führen in den meisten Fällen zu einem langsamen, qualvollen Tod des ungeimpften Vierbeiners.

Das lässt sich durch eine Impfung alles vermeiden.

Verantwortung gegenüber anderen Tieren & Menschen

Und damit tust Du auch anderen etwas Gutes. Denn Hunde, die ungeimpft auf der Straße sind, stellen eigentlich immer eine Gefahr für andere Tiere und auch Menschen dar.

Bei vielen Infektionskrankheiten ist das Ansteckungsrisiko sehr hoch – insbesondere, wenn Hunde sich gegenüber artgerecht verhalten und z.B. die Schnauze eines Artgenossen lecken oder am Hinterteil schnuppern. Einige Viren können sogar vom Hund auf den Menschen überspringen und umgekehrt – die Gefahren, die eine Zoonose-Epidemie mit sich bringt, dürfte allen mittlerweile klar sein.

Wird von privaten & öffentlichen Stellen oft vorausgesetzt

Weiterhin ist ein gut gefüllter Impfpass auch für Hunde oft Grundvoraussetzung, um vollständig am Leben teilnehmen zu können: Viele Hundeschulen akzeptieren tierische Schüler so nur, wenn sie wenigstens grundimmunisiert sind. Auch Hundepensionen legen viel Wert darauf – das ist auch richtig so, denn ein infizierter Vierbeiner kann alle Gäste gefährden.

Aber auch öffentliche Stellen verlangen manchmal bestimmte Impfungen. Haustieren ist so die Einreise in viele Länder nur gestattet, wenn sie alle Immunisierungs-Voraussetzungen erfüllen.

Urlaub & Impfschema

Andere Länder, andere Sitten: Jede Regierung entscheidet für sich selbst, welche Impfungen benötigt werden und welche nicht. Aufgrund der abweichenden Gefahrenlage, z.B. wegen Straßenhunden, verlangen besonders süd- und osteuropäische Länder häufig mehr, als hierzulande üblich ist. Vor einem Urlaub solltest Du dich deshalb ganz genau informieren – so sparst Du dir viel Ärger am Flughafen oder an der Grenze.

FAQs

Haben Hunde nach der Impfung Nebenwirkungen?

Auch Impfstoffe für Hunde wurden vor der Freigabe auf ihre Verträglichkeit hin getestet. Das Risiko für tödliche Impfschäden ist daher extrem gering – laut einer Studie stirbt pro einer Million Tollwutimpfungen so nur ein Hund an einem anaphylaktischen Schock. Typische Nebenwirkungen sind sehr harmlos und umfassen z.B. leichtes Fieber, Lethargie, Schnupfen und Verdauungsbeschwerden. Sie klingen bereits nach kurzer Zeit wieder ab.

Weiterführende Studien

[1]: https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00034757/Impfleitlinie-Kleintiere2021-01-01-bf.pdf
[2]: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1442-1038
[3]: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8437711 .

Über den Autor Sven Kohler
Über den Autor Sven Kohler

Sven schreibt leidenschaftlich gerne über alles, was seine liebsten haarigen Freunde angeht. Am Herzen liegen ihm dabei Hundeerziehung, -Gesundheit und natürlich -Ernährung- die absolute Grundlage für ein glückliches Hundeleben. Und da es auch eine schier unendliche Anzahl an Zubehör und Spielzeug gibt, macht sich Sven die Mühe und stellt Euch seine liebsten Produkte im Test vor.