Hund hat Rute gebrochen: Symptome & Behandlung 2022

Die Rute gehört zu den wichtigsten, aber auch gefährdetsten Körperteilen des Hundes: Der Vierbeiner braucht sie, um effektiv kommunizieren zu können, gleichzeitig können die Schwanzwirbelknochen schnell verletzt werden.

Eine Fraktur der Rute, also ein Knochenbruch, ist gar nicht so selten und muss unbedingt von Fachleuten versorgt werden. Das Problem dabei: Oft ist es als Laie gar nicht so einfach zu beurteilen, ob der Hund einen Bruch erlitten hat oder nicht.

Damit Du weißt, ob Du dir Sorgen machen musst, habe ich dir die 10 häufigsten Symptome zusammengestellt, die bei einem Knochenbruch der Rute auftreten.

10 typische Symptome bei Hunde Ruten-Fraktur

Wenn ein Hund sich die Rute gebrochen hat, ist dies meistens die Folge eines Unfalls (z.B. Einklemmen durch eine Tür, starke, plötzliche Belastungen der Rute, z.B. durch fallende Gegenstände oder einen Tritt) oder eines Kampfes mit Artgenossen.

Nicht immer ist der Hundehalter im Unglücksmoment zugegen. Allerdings solltest Du auf jeden Fall immer auf eine mögliche Verletzung des Schwanzes gefasst sein, wenn der Vierbeiner eine starke Schmerzreaktion zeigt: Sobald Du also ein Jaulen oder sogar Schreien des Vierbeiners hörst, musst Du die Rute des Vierbeiners eigentlich sofort überprüfen.

Weiterhin ist es empfehlenswert, auf die folgenden 10 Symptome zu achten.

1. (Starke) Schmerzen

Ein typisches Symptom für einen Bruch der Rute sind starke Schmerzen beim Vierbeiner. Allerdings sind diese nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, denn wenn einem Hund etwas wehtut, ist er gewöhnlich sehr gut darin, das vor allen zu verbergen.

Das liegt vor allem daran, dass Tiere in der freien Wildbahn keinerlei Schwäche zeigen dürfen, denn sonst könnten Feinde angelockt werden. In vielen Fällen musst Du also auf nicht ganz so klare Anzeichen achten.

Signale für Schmerzen beim Hund

  • Schonhaltung, Hund liegt z.B., statt zu sitzen
  • Apathisches Verhalten
  • Schwierigkeiten, aufzustehen, Hund ruht viel
  • Selbstverletzendes Verhalten, Hund beißt sich z.B. aus Verzweiflung in den Schwanz
  • Bei Berührung der Rute durch Halter: Jaulen, Schreien, Schnappen oder aggressives Verhalten.

Sollte es sich um keine Fraktur, sondern z.B. um eine Verstauchung oder Entzündung handeln, können ähnliche Symptome auftreten. Dann legen sie sich aber nach einigen Tagen oft, bei Brüchen nicht.

2. Knick in der Rute

Bevor Du die Schmerzen des Vierbeiners beobachtest, wirst Du in vielen Fällen Veränderungen der Rute bemerken können. Typisch für einen Bruch ist ein Knick in der Rute, bei einigen Fällen (komplizierte Mehrfachfrakturen) können sogar mehrere auftreten.

Das ist dann ein klares Signal dafür, dass der Hund schnelle medizinische Hilfe braucht. Da die Rute einen Teil der Wirbelsäule bildet, können mit Pech auch Nerven oder Rückenmark geschädigt werden – im schlimmsten Fall droht sogar eine Lähmung der Hinterbeine.

3. Blutige Wunde

Sollte sich der Hund die Rute im Kampf mit einem Artgenossen gebrochen haben, wird es sich wahrscheinlich um eine Bisswunde handeln. Die Tiere haben – wenn sie wollen – eine enorm hohe Beißkraft, die mehr als fünfmal so hoch ist wie bei uns Menschen.

Das bedeutet: Schnappt ein Hund richtig zu, kann er den Schwanz eines anderen Tieres schnell brechen. Deshalb solltest Du nach Konflikten immer auf die Rute achten und im Falle einer blutigen Wunde auf jeden Fall eine Fraktur in Erwägung ziehen.

4. Rute hängt

Ebenfalls typisch für eine Fraktur: Der Hund kann seinen Schwanz nicht mehr kontrolliert bewegen. Die Rute steht dann nicht mehr, sondern hängt – auch, um sich zu schonen.

Wasserrute beim Hund

Oft handelt es sich bei einem hängenden Schwanz auch um eine sogenannte Wasserrute. Das ist allerdings keine Fraktur, sondern eine auch neurologisch bedingte Entzündung des Muskelapparates, welche die Beweglichkeit des Schwanzes einschränkt.

Fachleute sprechen auch von einer “Kokzygealen Myopathie”. Sie tritt vor allem nach Schwimmeinheiten im kalten Wasser oder an nasskalten Tagen auf. Oft klingt sie nach wenigen Tagen von alleine wieder ab.

Da die Rute für unsere Vierbeiner eines der wichtigsten Kommunikations-Organe darstellt, beeinträchtigt eine Fraktur auch seine Lebensqualität stark – eine vergleichbare Verletzung bei uns Menschen wäre z.B. eine gelähmte Zunge.

Selbst ohne Schmerzen kann es dann schnell zu “Sprachproblemen” zwischen Hunden kommen: Wenn dein Vierbeiner die Rute nicht heben kann, wirkt er auf Artgenossen z.B. eher ängstlich und unterwürfig, selbst, wenn er eigentlich selbstbewusst ist.

Mehr Infos

Noch mehr Infos zum Thema findest Du in unserem Artikel “Hund lässt Rute hängen”.

5. Probleme beim Schwanzwedeln

Hunde nutzen nicht nur die Stellung der Rute für die Kommunikation, sondern auch die Bewegung. Wenn ein Vierbeiner mit dem Schwanz wedelt, ist das meistens keine bewusste Entscheidung, sondern eine körperliche Reaktion auf ein Befinden.

Schwanzwedeln beim Hund

Übrigens: Hunde wedeln nicht nur mit dem Schwanz, weil sie sich freuen, sondern auch bei Aufregung.

Er hat das Wedeln also nicht vollständig unter Kontrolle und kann es nicht einfach so “abschalten”. Selbst bei einer Fraktur wird er deshalb versuchen, ihn zu bewegen. Das sieht dann sehr ungelenk aus, sollte den Vierbeiner dabei also plötzlich Probleme bekommen, solltest Du auch über einen Bruch nachdenken.

6. Gleichgewichtsstörungen

Die Rute ist bei Hunden nicht nur für die Kommunikation wichtig, sondern dient auch der Balance des Vierbeiners. Liegt eine Fraktur vor, kann – auch aufgrund von Nervenverletzungen – eine Störung des Gleichgewichtssinnes auftreten.

Weitere mögliche Ursachen

Für Gleichgewichtsstörungen gibt es noch viele weitere mögliche Gründe. Einen ausführlichen Überblick findest Du in unserem Artikel zum Thema “Hund taumelt”.

Das bedeutet: Der Hund läuft dann ungerade oder gerät sogar ins Taumeln. Dies ist nicht nur sehr beängstigend anzuschauen, unterwegs hat sich das Tier dann auch nur noch begrenzt unter Kontrolle: In brenzligen Situationen, wo schnelles Handeln gefragt ist, kann ein Bruch dann auch zu einem Sicherheitsrisiko werden.

7. Hund kümmert sich ständig um Rute

Hunde spüren ziemlich schnell, dass mit ihrem Körper etwas nicht stimmt. Sobald ihre Rute nur noch eingeschränkt ist oder sogar schmerzt, versuchen sie deshalb, das Problem selber zu beheben.

Deshalb lässt sich oft beobachten, wie sich die Vierbeiner selbst um die Verletzung kümmern. Häufig knabbern sie dann an der Rute oder versuchen, sich an der schmerzenden Stelle zu lecken. Ist dies nicht möglich, kann es auch passieren, dass sie ihren eigenen Schwanz jagen.

Dieses Verhalten ist nicht immer vorteilhaft: Oft macht der Hund es dadurch sogar noch schlimmer, der Bruch verschiebt sich oder Keime finden ihren Weg in offene Wunden.

8. Schwellungen & Rötungen

Typisch für einen Bruch sind auch Schwellungen bzw. Rötungen. Bei einer Fraktur treten sie typischerweise wenige Stunden nach dem unglücklichen Ereignis auf.

Die Gründe hierfür sind dieselben wie bei menschlichen Knochenbrüchen: Durch die Zerstörung der Knochensubstanz tritt Blut aus, das sich im Gewebe sammelt. Später gesellt sich oft noch Wasser aus den Lymphen hinzu. Im Grunde genommen hat das sogar Vorteile, denn der Hund kann den Schwanz so nicht mehr gut bewegen, was ohne Behandlung die Heilung begünstigen würde.

Alleine auf dieses Symptom verlassen würde ich mich aber nicht, denn auch Verstauchungen oder allergische Reaktionen kommen als Ursachen in Betracht.

9. Inkontinenz

Viele Hunde, die einen Bruch der Rute zu verschmerzen haben, leiden in der Folge zudem unter Inkontinenz. Das ist vor allem der Fall, wenn bei dem Unglück, das zur Verletzung geführt hat, Nerven beschädigt wurden.

Wenn dein Vierbeiner also auf einmal nicht mehr stubenrein ist, solltest Du nicht mit ihm schimpfen, sondern auch an eine mögliche Fraktur denken. Das Tier kann nämlich überhaupt nichts dafür – im Gegenteil, wahrscheinlich ist es für den Hund sogar sehr unangenehm, sich plötzlich nicht mehr unter Kontrolle zu haben.

10. Probleme beim Kotabsatz

Und schließlich solltest Du auch an eine Fraktur der Rute denken, wenn der Hund plötzlich Probleme beim “großen Geschäft” bekommt. Durch den Bruch der Wirbel in Verbindung mit Schwellungen ist der Kotabsatz nämlich nur noch unter großen Schmerzen möglich.

Viele Hundehalter vermuten dann zunächst eine Verstopfung, allerdings ist es für den Vierbeiner aufgrund der Verletzung dann fast unmöglich, ausreichend zu pressen.

Gebrochene Rute beim Hund: Behandlung

Wenn der Hund seine Rute gebrochen hat, ist das nicht nur schmerzhaft, sondern auch sehr riskant: Nicht nur wird der Vierbeiner einem seiner wichtigsten Kommunikationsmittel beraubt, es drohen auch böse Folgeschäden, z.B. eine Beschädigung der Nerven mit späteren Lähmungserscheinungen.

Deshalb darfst Du so einen Bruch niemals auf die leichte Schulter nehmen, sondern musst alles dafür tun, dass die Fraktur so schnell und so gut wie möglich wieder zusammenwächst. Ohne professionelle Hilfe ist das kaum optimal möglich.

1. Hund sofort schonen

Sobald der Hund erste Anzeichen einer Fraktur zeigt, solltest Du ihn deshalb sofort schonen. Das bedeutet:

  • Sollte er mit anderen Haustieren zusammenleben, musst Du ihn von diesen zeitweilig trennen
  • Verzichte auf längere Spaziergänge und führe den Hund nur an der Leine heraus
  • Wenn er liegen möchte, solltest Du ihn gewähren lassen
  • Eine bequeme Ruhefläche ist Pflicht, statt einem Hundebett mit hohem Rand eignet sich z.B. eine flache Matratze besser
  • (Biss-)Wunden müssen schnellstmöglich erstversorgt werden
  • Vermeide es, den Hund unnötig in einer Transportbox zu befördern.

So wird die Rute nicht unnötig belastet, die Gefahr einer ungewollten Verschlimmerung des Gesundheitszustandes reduziert sich stark.

2. So schnell wie möglich zum Tierarzt

Anschließend führt kein Weg an einem schnellen Besuch beim Tierarzt vorbei. Du musst also so schnell wie möglich einen zeitnahen Termin in der Praxis ausmachen.

Selbst wenn die Diagnose “Fraktur” schon auf den ersten Blick klar zu sein scheint, wird der Mediziner als ersten Schritt eine Röntgenaufnahme veranlassen. Nur so lässt sich das Ausmaß des Bruches seriös beurteilen und ein Therapieplan erstellen.

Mögliche Therapien einer Fraktur

  • Konservative Behandlung mit Verband, “einfache” Brüche wachsen dann von alleine wieder zusammen
  • Chirurgischer Eingriff bei komplizierten Frakturen, oft auch von Spezialisten durchgeführt (Überweisung in eine Tierklinik)
  • Amputation (komplett oder eines Teiles) bei stark zerstörter Rute, wenn selbst nach OP Schmerzen oder sehr schiefe Fehlstellungen zu vermuten sind.

Weiterhin wird der Tierarzt deinem Liebling eigentlich immer Schmerzmittel verschreiben. Diese dienen nicht nur dazu, das Leben für den Vierbeiner erträglicher zu machen, sondern hemmen auch Entzündungen.

3. Rute so gut wie es geht immobilisieren

Egal, ob mit Verband oder in Erwartung eines OP-Termins: Wenn dein Vierbeiner sich zuhause erholt, solltest Du alles dafür tun, dass die Rute in der Zwischenzeit möglich unangetastet bleibt.

Dazu gehört beispielsweise der Verzicht auf Lärm und auch Spiele im Haus. So vermeidest Du, dass der Vierbeiner – sei es aus Aufregung oder Freude – unnötig mit dem Schwanz wedelt. Auch Auslauf und Kontakt mit anderen Haustieren sollte auf das für einen Patienten angemessene Minimum reduziert werden.

Sollte dein Hund versuchen, sich in den verbundenen Schwanz zu beißen, kann auch eine Halskrause in Frage kommen, um dies zu verhindern.

4. Ernährungsanpassung kann helfen

Um die Schmerzen des Vierbeiners während seiner Rekonvaleszenz unter Kontrolle zu halten, kann auch eine Anpassung der Ernährung helfen. Ziel ist es dabei, zu vermeiden, dass der Hund beim Stuhlgang unnötige Probleme beim Pressen bekommt.

Dafür lohnt sich insbesondere der vermehrte Einsatz von Ballaststoffen, z.B. in Form von gekochten Kartoffeln, Karotten, Obst oder gedünsteten Brokkoli. Gleichzeitig solltest Du auf Knorpel oder Knochen zumindest eine Zeit lang eher verzichten, da der Kot ansonsten ziemlich hart ausfallen kann – eine muskelfleischreiche Diät ist dann die besser Wahl.

5. Physiotherapie als Nachbehandlung

Während der Genesungsphase ist ein regelmäßiger Kontakt zum Tierarzt mit Folgeuntersuchungen sehr wichtig. Gewöhnlich dauert es einige Wochen bis Monate, bis der Heilungsprozess als abgeschlossen betrachtet werden kann.

Manchmal ist die Rute dann wieder vollständig hergestellt, gelegentlich kann aber auch ein kleiner Knick zurückbleiben, der dann aber eher kosmetischer Natur ist.

In einigen Fällen wird der Tierarzt dir anschließend empfehlen, einen Hunde Physiotherapeuten aufzusuchen. Dieser Spezialist kann deinem Vierbeiner sehr weiterhelfen und z.B. mit artgerechten Übungen dazu beitragen, dass der Muskelapparat im Schwanzbereich gestärkt wird.

FAQs

Haben Hunde Knochen in der Rute?

Anders als bei uns Menschen geht die Wirbelsäule des Hundes nicht nur vom Hals bis in die Lenden, die Vierbeiner haben auch Schwanzwirbel bzw. Schwanzwurzelknochen. Das bedeutet: Die Rute ist Teil des Skeletts, dementsprechend können auch schmerzhafte und gefährliche Frakturen der Rute auftreten, die unbedingt vom Tierarzt behandelt werden müssen.

Über den Autor Sven Kohler
Über den Autor Sven Kohler

Sven schreibt leidenschaftlich gerne über alles, was seine liebsten haarigen Freunde angeht. Am Herzen liegen ihm dabei Hundeerziehung, -Gesundheit und natürlich -Ernährung- die absolute Grundlage für ein glückliches Hundeleben. Und da es auch eine schier unendliche Anzahl an Zubehör und Spielzeug gibt, macht sich Sven die Mühe und stellt Euch seine liebsten Produkte im Test vor.