Hund springt mich an: Ursachen & Abgewöhnung 2022

Wir Hundehalter finden es oft ziemlich niedlich, wenn ein Welpe oder Jungtier uns anspringt. Wird der Vierbeiner größer, sieht es aber schon wieder anders aus: Das Verhalten wird dann schnell zur Unart und kann sogar gefährlich werden.

Tolerieren tun wir dieses Benehmen oft, weil wir die Motivation des Hundes falsch deuten. Damit dir dies nicht passiert, nenne ich dir im folgenden Artikel die 11 häufigsten Gründe dafür, warum ein Hund uns anspringt. Und damit Du weißt, was Du dagegen tun kannst, findest Du im Anschluss 10 bewährte Erziehungstipps zur Abgewöhnung.

11 Gründe, warum ein Hund dich anspringt

1. Freude & Begrüßungsritual

Wenn ein Hund dich anspringt, hat er nicht immer böse Absichten. Im Gegenteil – oft freut er sich einfach tierisch, dich zu sehen.

Insbesondere jüngere Tiere vergessen alles um sich herum, wenn sie ihre Bezugsperson nach kürzerer oder längerer Abwesenheit wiedersehen. Sie wollen dann einfach nur bei ihrem Besitzer sein und vergessen dann ihre Manieren.

Hunde sind da nicht anders als Kleinkinder, die überschwänglich reagieren, wenn Papa oder Mama sie aus dem Kindergarten abholt. Sobald die Vierbeiner größer werden, kann aus diesem eigentlich harmlosen Begrüßungsritual aber auch eine ziemliche Belästigung werden.

2. Hund will Aufmerksamkeit

Das Anspringen kann aber auch weniger erfreuliche Gründe haben. Viele Vierbeiner suchen den Körperkontakt, wenn sie von ihrer Bezugsperson Aufmerksamkeit einfordern wollen. Einige Hunde sind dabei sanft und stupsen ihren Halter z.B. leicht mit dem Kopf an, andere sind in der Wahl ihrer Mittel rabiater.

Sie machen dann “Männchen” oder rennen ihren Besitzer einfach um. Das ist in gewissem Sinne auch verständlich, denn wenn sie das tun, musst Du den Vierbeiner einfach wahrnehmen. Sobald er mitbekommt, dass Du dich anschließend wirklich um ihn kümmert, hat er seine Lektion gelernt: “Wenn ich meinen Halter anspringe, kümmert er sich um mich.”

3. Dominanzverhalten

Ebenfalls möglich ist, dass der Hund dich anspringt, weil die Dynamik zwischen euch beiden gestört ist: Er akzeptiert dich dann nicht vollkommen als “Alpha-Tier”, sondern möchte selber die Führungsrolle übernehmen.

Er möchte dir dann sagen: “Ich bin hier der Chef!” Dieses Dominanzverhalten kann weitreichende Folgen haben: Gewöhnlich wird der Vierbeiner dann auch kaum oder nur unzureichend auf Kommandos reagieren.

In kritischen Situationen – z.B., wenn unterwegs Gefahr droht – kann das schnell gefährlich werden, da Du dich nicht mehr auf den Vierbeiner verlassen kannst.

4. Beschwichtigungsgeste

Du hast deinen Hund gerade gemaßregelt und er beginnt, dich anzuspringen? Nicht immer bedeutet dies, dass er deinen Ärger nicht versteht. Es kann auch sein, dass er dir sagen möchte: “Alles in Ordnung, ich habe begriffen!”

Unsere Vierbeiner verfügen über ein großes Arsenal an Beschwichtigungsgesten für Menschen, Artgenossen und andere Tiere. Wenn sie uns aus diesem Grund anspringen, geschieht das eher defensiv: Sie richten sich also vergleichsweise langsam auf, oft meiden sie Blickkontakt und lassen ihre Rute hängen.

5. Austesten von Grenzen

Auch Hunde haben eine Pubertät: Meistens beginnt die “Flegelphase” ungefähr im sechsten Lebensmonat, je nach Rasse kann sie bis zur Vollendung des ersten oder sogar zweiten Lebensjahres dauern.

Für uns Menschen ist diese Zeit nicht unbedingt einfach: Wie jeder Teenager versucht der halbstarke Vierbeiner nämlich, Grenzen auszutesten. Er hört dann z.B. auf mühsam einstudierte Kommandos nicht mehr und tut Dinge, die er als verboten einstuft.

Dazu kann auch das Anspringen gehören: Das Tier möchte dann einfach schauen, wie weit es gehen kann.

6. Hund will betteln

Es kann auch sein, dass der Hund sich einfach etwas erbetteln möchte. In diesem Fall sitzt Du wahrscheinlich am Essenstisch oder hast etwas Leckeres bei dir, das der Hund erschnüffeln konnte.

Das Anspringen erfolgt dann gewöhnlich nicht mit Anlauf, sondern aus dem Stand. Weiterhin wird der Hund sich mit seiner Schnauze sehr zielgerichtet in Richtung Essen bewegen.

7. Anspringen fälschlicherweise erlernt

Du hast alles getan, um den Hund zu einem funktionierenden Mitglied der Gesellschaft zu erziehen und er springt dich trotzdem hin und wieder an? In diesem Fall ist es auch möglich, dass beim Training Missverständnisse aufgetreten sind.

Wenn Du z.B. versuchst, ihm das Abspringen mit einem “Sitz!”-Kommando abzugewöhnen, entstehen schnell Fehlinterpretationen seitens des Vierbeiners: Eine zu schnell gegebene Belohnung kann dazu führen, dass das Tier denkt, es habe das Leckerli wegen des Springens erhalten – dann wird er dieses Verhalten natürlich konsequent weiterführen.

8. Überbleibsel aus der Welpenzeit

In der Welpenzeit gehört das Anspringen sozusagen zur Sprache des Hundekindes: Die kleinen Vierbeiner nutzen es z.B., um die Aufmerksamkeit ihrer Mutter auf sich zu ziehen.

Allerdings kommt es ziemlich häufig vor, dass das Verhalten im Erwachsenenalter weiterhin auftritt: Forscher sprechen dann auch von einer Regression.

Bestärkt wird er dabei oft durch uns: Viele Menschen finden es sehr niedlich, wenn ihr Welpe oder Junghund sie anspringt, sie belohnen ihn dann z.B. mit Aufmerksamkeit oder Streicheleinheiten. Dann müssen wir uns aber auch nicht wundern, wenn die Vierbeiner sich auch später so verhalten.

9. Angst & Nervosität

Manche Hunde springen ihren Halter aber auch an, weil sie akut Angst haben oder unter chronischer Nervosität leiden.

  • Einerseits handelt es sich dabei wahrscheinlich um eine Übersprungshandlung, der Vierbeiner möchte also Stress kompensieren, indem er etwas Sinnloses unternimmt.
  • Andererseits kann es sich dann auch um einen Hilferuf des Vierbeiners handeln. Insbesondere kleine Rassen neigen dazu, die Nähe ihres Halters zu suchen, wenn sie sich bedroht fühlen – sie wollen dann z.B. getragen werden.

Die Körpersprache des Tieres ist dann gewöhnlich eher defensiv: Die Rute hängt, die Ohren sind oft nach hinten gestellt. Manche Hunde jaulen oder zittern dann auch.

10. Langeweile, überschüssige Energie & Spieltrieb

Weiterhin ist auch ein Energieüberschuss eine häufige Ursache. Hunde sind es gewohnt, sich viel zu bewegen, viele Rassen wurden ursprünglich als Gebrauchs- oder Arbeitstiere gezüchtet. Bleibt diese Beschäftigung aus, wird ihnen langweilig und sie wollen ihre Power an den Mann bringen.

Das bist dann oft Du: Beim Versuch, seine Energie loszuwerden, dienst Du ihm sozusagen als Sparringspartner. Anspringen ist bei beengten Verhältnissen eine der wenigen Möglichkeiten, die ein Hund hat, um sich zu “erleichtern”.

Auch der natürliche Spieltrieb kommt bei unausgelasteten Hunden stärker zum Vorschein. Das Anspringen ist dann animierend, die Vierbeiner nutzen es z.B. zur Aufforderung von Artgenossen.

11. Hund will sich kratzen/reiben

Manchmal springt ein Hund seinen Halter auch an, weil er körperliche Bedürfnisse hat. Solltest Du z.B. Kontakt zu einem läufigen weiblichen Tier gehabt haben, ist es möglich, dass sich der Vierbeiner erhebt, um sein Geschlechtsteil an dir zu reiben.

Auch Juckreiz im Unterleib ist eine mögliche Ursache. Der Hund nutzt dein Bein dann sozusagen als “Kratzbaum”, um sein Leid etwas zu lindern.

So gewöhnst Du dem Vierbeiner das Verhalten ab

Du siehst also: Wenn dein Hund dich anspringt, ist das nicht immer niedlich. Oft steckt mehr hinter dem Verhalten, z.B. Vernachlässigung oder ein ungesundes Dominanzstreben des Vierbeiners.

Auch praktische Gründe sprechen dafür, Anspringen nicht hinzunehmen: Wenn dich ein großer Hund im falschen Moment mit Anlauf angeht, besteht Sturzgefahr, einige Halter mussten danach schon in die Notaufnahme. Weiterhin kann der Vierbeiner deine Kleidung schmutzig machen oder mit seinen Krallen beschädigen.

Experten raten deshalb eigentlich immer dazu, daran zu arbeiten, dem Hund dieses Verhalten so früh wie möglich abzugewöhnen. Am schnellsten geht das, wenn Du die folgenden 10 Tipps beachtest.

1. Selbst Ruhe bewahren

Am wichtigsten ist es, selbst Ruhe auszustrahlen. Wenn Du aufgeregt bist oder mit dem Vierbeiner sogar schimpfst, während er dich anspringt, wird dies sein Verhalten kaum verändern. Im Gegenteil: Hunde werten dies oft sogar als Ansporn, weiter verrückt zu spielen.

Deshalb, auch, wenn es schwer ist: Bleib’ entspannt. So strahlst Du Souveränität aus und es ist einfacher, das Tier auf den richtigen Weg zu leiten.

2. Verhalten so gut es geht ignorieren

In den meisten Fällen ist Ignorieren die beste Lösung: Stell’ also keinen Blickkontakt zum Vierbeiner her und rede auch nicht mit ihm. Stattdessen wendest Du dich wortlos von ihm ab, z.B., indem Du dich in eine andere Richtung drehst.

In der Hundesprache ist dies eine Beschwichtigungsgeste: Du zeigst ihm, dass Du der Chef im Haus bist. Mit diesen Gesten und Bewegungen versteht der Vierbeiner, dass Du an keiner Interaktion mit ihm interessiert bist, ohne dass Du aggressiv wirst.

3. Nicht zurückstecken

Dabei ist es ebenfalls wichtig, dass der Hund nicht das Gefühl bekommen darf, dass Du “klein beigibst”: Du darfst also keinen Schritt zurücktreten, wenn er dich anspringt. Der Vierbeiner würde das als Unterwerfungsgeste interpretieren, in seiner Gedankenwelt dominiert er dich dann.

Stattdessen solltest Du aufrecht stehen bleiben. Eventuell ist auch ein gut gewählter Ausfallschritt zur Seite angebracht. Wenn der Hund “ins Leere” springt, verliert er schnell die Lust an diesem Verhalten.

4. ”Auszeit” für den Hund

Weiterhin hilfreich kann es sein, dem Hund eine kurze “Auszeit” zu geben. Dafür geleitest Du ihn z.B. in eine Ecke oder auch in einen Raum, in dem er ungestört ist.

Der Vierbeiner kann dann etwas Abschalten und wird nicht unnötig mit Reizen überflutet. Oft “fängt” er sich dann schnell wieder und ist im Anschluss deutlich ruhiger.

5. Zur Begrüßung in die Hocke gehen

Wenn dein Hund dich zur Begrüßung freudig anspringt, ist das eigentlich nicht böse gemeint – wenn Du dies hinnimmst, riskierst Du aber, dass er das Verhalten auch zu anderen Anlässen wiederholt.

Eine gute und bewährte Methode, dies zu vermeiden, ist es, in die Hocke zu gehen, sobald der Vierbeiner dich wiedersieht. Das kann zwar etwas auf die Gelenke gehen, führt aber dazu, dass der Hund sich nicht größer machen braucht, um mit dir in diesem positiven Moment auf Augenhöhe zu sein.

6. Kommando-Training richtig gestalten

Eine falsche Konditionierung durch Kommando-Training kannst Du vermeiden, indem Du die Übungs-Spiele klar und deutlich gestaltest: Sollte der Vierbeiner dich anspringen und dann der “Sitz!”-Aufforderung folgen, musst Du warten, bis er sich wirklich hingesetzt hat. Erst nach etwa ein bis zwei Sekunden solltest Du ihm dann seine Belohnung geben.

Ansonsten kann der Hund dich missverstehen: Er würde dann denken, dass Du ihn (auch) fürs Anspringen belohnst.

7. Den Vierbeiner ablenken

Sollte der Hund andere Leute aus Langeweile oder aufgrund einer Übersprungshandlung anspringen, kann es hilfreich sein, eine “Ersatzreaktion” zu provozieren. Das bedeutet, dass Du den Vierbeiner ablenkst, sobald Du mitbekommst, dass er zu einer Sprungbewegung ansetzt.

Eine hervorragende Lösung ist es dann, einen Ball zu werfen: Der Hund fixiert sich dann auf ihn und läuft ihm nach – er vergisst dann schnell, dass er eigentlich jemanden anspringen wollte.

8. Pfoten festhalten

Eine ziemlich einfache und gleichzeitig sehr wirksame Lösung ist es auch, die Pfoten des Hundes festzuhalten, sofern er es geschafft hat, dich anzuspringen.

Der Vierbeiner verliert so die Kontrolle über die SituationDu bist dann wieder der Chef, die Dominanz-Bestrebungen des Tieres laufen ins Leere. Weiterhin ist es für Hunde sehr unangenehm, länger auf zwei Beinen zu stehen. Wenn er sich das merkt, wird er also in Zukunft gerne darauf verzichten wollen.

Wichtig ist es dann, dass Du den Hund zwar fest greifst, aber keine übermäßige Kraft ausübst. Ansonsten könnte es nämlich auch passieren, dass die empfindlichen Pfoten verletzt werden.

9. Mehr gut dosierte Aufmerksamkeit

Eine eher langfristige Strategie ist es hingegen, sich generell etwas mehr mit dem Vierbeiner zu beschäftigen: Wenn Du dir regelmäßig Zeit für etwas Aufmerksamkeit nimmst, hat er es nicht mehr nötig, darum auf diese Weise zu betteln.

Wichtig ist dann allerdings: Du entscheidest, wann Du dem Hund deine Zeit schenkst. Würdest Du direkt auf die Bitten deines Lieblings eingehen, könnte er sich nämlich in seinem Verhalten bestätigt fühlen.

10. Das Tier auf andere Weise austoben lassen

Und schließlich hilft auch mehr körperliche und geistige Beschäftigung. Wenn Du es schaffst, dass der Vierbeiner richtig ausgepowert ist, hat er oft weder die Kraft noch große Lust darauf, dich anzuspringen oder auf eine andere Art und Weise zu “belästigen”.

Manche Hunde sind echte Sportskanonen und brauchen extrem viel Auslauf, um glücklich zu sein. Dann kann es sich lohnen, mehr Zeit im Park zu verbringen oder die Fellnase auf gemeinsame Jogging- oder Fahrradtouren mitzunehmen. Andere Vierbeiner sind eher Denkakrobaten und können z.B. mit Intelligenzspielzeug ausgelastet werden.

FAQs

Warum springt mein Hund mich an und schnappt nach mir?

Wenn dein Hund dich anspringt und gleichzeitig nach dir schnappt, steckt oft ein ausgeprägter Spieltrieb dahinter. Tolerieren solltest Du dieses Verhalten aber auf keinen Fall, denn manche Vierbeiner wollen so auch ihre Dominanz zum Ausdruck bringen. Experten raten deshalb dazu, bereits im Junghundalter damit zu beginnen, dem Tier diese Verhaltensweisen konsequent abzugewöhnen.

Über den Autor Sven Kohler
Über den Autor Sven Kohler

Sven schreibt leidenschaftlich gerne über alles, was seine liebsten haarigen Freunde angeht. Am Herzen liegen ihm dabei Hundeerziehung, -Gesundheit und natürlich -Ernährung- die absolute Grundlage für ein glückliches Hundeleben. Und da es auch eine schier unendliche Anzahl an Zubehör und Spielzeug gibt, macht sich Sven die Mühe und stellt Euch seine liebsten Produkte im Test vor.